CALL FOR ABSTRACTS: Kunst, Design und die technisierte Ästhetik
Call for Abstract für einen Buchbeitrag in:
Kunst, Design und die technisierte Ästhetik. Hg. von Lars C. Grabbe, Christiane Wagner und Tobias Held. 2023. Reihe WELT I GESTALTEN, Bd. 6, Büchner-Verlag: Marburg


Einreichungen des Abstracts möglich bis 31. Oktober 2021
Einreichung des ausgearbeiteten Artikels bis 01. März 2022

Die gestalterische Produktion – vornehmlich der letzten Jahrzehnte – vollzieht sich im Kontext einer alles umfassenden Technisierung, welche gleichermaßen analoge und digitale Aspekte artikuliert, die ihrerseits wieder die Grundbedingung für quantenbasierte Entwicklungen zu bilden scheinen. Das Kreative zeigt sich somit auch schlechthin in der kreativen Unvorhersehbarkeit der neuen Apparate und im Kontext einer bereits mannigfach in der Alltagskultur verankerten Maschinen-Ästhetik. Seitdem dies der kulturelle Regelfall geworden ist, sind unterschiedlichste kommunikative Transformationen durch grafische und interaktive Interfaces entstanden, die zu allgemeinen Veränderungen in der Wahrnehmung von analogen und digitalen Medien geführt haben und vermutlich eine »technisierte Ästhetik« einleiteten, deren Ausprägungen durch Vernetzung, Hyperlokalität und multimodale Apparaturen intensiv geprägt werden. Es scheint sich eine Sprache der gestalterischen Felder herausgebildet zu haben, die produktiv in Bereiche des Apparativen vorzudringen vermag und ein klassisches Verständnis von Ästhetik geradezu herausfordert oder destabilisiert. Unter diesen Bedingungen erhalten die vornehmlich praxisbasierten und -orientierten Bereiche der Kunst sowie des Designs und ihre jeweiligen innovativen Ideen auch durch digitale Programme und Apparate einen progressiven Status und werden in gewissen Kontexten direkt durch Hard- und Software selbst produziert oder bleiben nur in Abhängigkeit zu diesen technischen Artefakten möglich. Kunst und Design im Kontext der Maschinen-Ästhetik bieten dabei gleichermaßen eine neue ästhetische Dynamik, die ihrerseits sowohl die Rezeption, die Hervorbringung als auch die ästhetische Klassifikation oder Kennzeichnung problematisiert. In diesem Sinne adressiert diese Publikation vor allem interdisziplinäre Beiträge, die sich mit diesem Themenfeld produktiv auseinandersetzen und allen voran die »Logik des Technischen« mit der »Logik des Ästhetischen« systematisch in Beziehung setzen.
Historisch gesehen haben sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vielfältige ästhetische Koordinaten im inner- und außerakademischen System herausgebildet und erlebten je eigene Aufschwünge, seien es die Gestalt- und Genie-Ästhetiken, die transzendentalen Perspektivierungen oder sensualistischen Ansätze sowie die historisch und archivarisch arbeitenden Felder. Schlicht gesprochen changierte das »Ästhetische« zwischen Schönheit, Erhabenheit, Zeit und Raum, zwischen Wahrnehmung, Sinnlichkeit und Empfindung sowie Form, Transzendenz und historischem Faktum. Die technologisch geprägten Medientransformationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren kulturell wie auch intellektuell für die Manifestation der Avantgarden und ihrer Einflüsse auf die Kunst und das Design wesentlich. Eine Reihe von modernen Bewegungen hatte einen direkten Einfluss auf die mediale Form der visuellen Kommunikation innerhalb des 20. Jahrhunderts. Dabei reichten die Motive von der Krise der traditionellen schönen Künste über den Modernismus bis letztlich in die Ausprägung der Gestaltung innerhalb zeitgenössischer Kunst und Design.
Die These von einer »technisierten Ästhetik« ist vielleicht am besten vor den Hintergrund der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu stellen: Als Moment des Kunstwerks im Kontext seiner technischen Reproduzierbarkeit. Allerdings ist bei aller positiver Historie die Imago des Phantoms (ko)präsent und begleitet jede Technik-Utopie als ein dystopischer Schatten. Die ästhetische Erfahrung in der Gegenwart ist vor allem durch Mediatisierung und Digitalisierung massiv in der öffentlichen Kultur verankert und hat unlängst den Boden des Genies und von Schönheit und Erhabenheit verlassen. Vielmehr findet technische Gestaltung netzwerkartig und über Hard- und Software vermittelt statt, so dass neue Kontexte und eine Koexistenz von physischer und digitaler Welt, d. h. künstlicher und physikalischer Realität, adressiert werden. Gestaltung als Ausprägung jener Maschinen-Ästhetik formt hierbei nicht nur die grundlegenden Interfaces der digitalen Mensch-Maschine-Kommunikation, sondern stabilisiert eine digitale Medienrealität zwischen Hypertext und Hyperrealität im Sinne Baudrillards. Die Digitalisierung prägt nicht nur die Reflexion über Artefakte der Gestaltung, sondern formt diese selbst. Maschinen-Kunst und Maschinen-Design werden zu Bezugssystemen einer »technisierten Ästhetik« deren Grundbedingungen, Logiken und Varianzen noch nicht klar verstanden und diskutiert wurden, sollte dieses Unterfangen überhaupt jemals vollumfänglich gelingen. Klar ist jedoch, dass die visuelle Kunst und das visuelle Design einen integralen Bestandteil von Kultur und Gesellschaft darstellen und damit auch das kulturelle Erbe für nachkommende Generationen zum Ausdruck bringen. Die Streitfrage bleibt: Was kennzeichnet und bestimmt die strukturellen und ästhetischen Bedingungen der Möglichkeit von technisierter Gestaltung in Bezug auf die täglichen Experimente in der globalen Kunst- und Designwelt?
Zielsetzung dieses Buches ist es, interdisziplinäre Ansätze aus denjenigen wissenschaftlichen Disziplinen zu versammeln, die sich mit den analytischen Bedingungen einer »technisierten Ästhetik« befassen. Hier sind philosophische, technologische und historische Perspektiven, genau wie auch kultur-, sozialwissenschaftliche und medientechnologische Perspektivierungen explizit erwünscht, deren Fokus dann eine tiefergehende Verortung von Gestaltung, Technologie, Kreativität, Wahrnehmung, Kultur und Gesellschaft erlaubt. Mit dieser Strategie soll die Beziehung von Ästhetik und Technologie im Kontext aktueller Gestaltungs-Entwicklungen und Prototypen herausgearbeitet werden, um ebenfalls ein Schlaglicht auf Technologietransfers, künstliche Intelligenz und menschliche sowie nicht-menschliche Gestaltung zu werfen.

Eine Auswahl von möglichen Fragestellungen oder Themengebieten soll an dieser Stelle für thematische Impulse dienlich sein:

• Eine »technisierte Ästhetik« im Spannungsfeld von Tradition und Moderne
• Das Verhältnis von analoger und digitaler Ästhetik
• Technologie und deren struktureller Einfluss auf Kunst und/oder Design
• Die begriffliche Bestimmung von Apparat, Maschine, Technik und Ästhetik
• Die Logik von Ästhetik und Technologie im Feld einer »technisierten Ästhetik«
• Die Interdependenz von Kultur, Gesellschaft, Technologie und Ästhetik
• Materialität und Immaterialität als ästhetisches Spannungsfeld
• Die »technisierte Ästhetik« im Spannungsfeld von Phänomenologie, Semiotik und Anthropologie
• Die Bestimmung der Ästhetik in der Technikforschung
• Die Abgrenzung von Medien-Ästhetik, Maschinen-Ästhetik und Technik-Ästhetik

Das wünschenswerte Ziel dieses Buches ist es, dass etablierte Theorien mit aktuellen Forschungsergebnissen in Beziehung gesetzt und gleichermaßen auch aktuelle Kon-zepte der ästhetischen Theorie diskutiert oder vielleicht neu entwickelt werden. Dies soll gleichermaßen eine Diskussion auf dem Fundament faktisch vorliegender künstleri-scher Werke oder Designartefakte sowie Prototypen anregen und eine Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen der klassischen und zeitgenössischen Literatur im-plizieren. Der Fokus soll dabei den Zeitraum von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart umfassen und den Zusammenhang von Theorie und Praxis im Kontext einer »technisierten Ästhetik« berücksichtigen.
Die Auswahl der Beiträge wird über das Einreichen von Abstracts erfolgen, die eine Länge von bis zu 800 Wörtern umfassen sollen. Die Herausgeber Prof. Dr. Lars C. Grabbe, Prof. Dr. Christiane Wagner und Tobias Held werden in einem internen Re-viewverfahren die Publikationsentscheidung treffen und die AutorInnen über das Ergeb-nis informieren. Die Deadline der Einsendung von Abstracts ist der 31. Oktober 2021. Die ausgearbeiteten Artikel mit einem Umfang von 5.000 bis 6.000 Wörtern sollen bis zum 01. März 2022 vorliegen.

Bitte senden Sie eine Kurzbiografie, institutionelle Informationen, Kontaktdaten und das Abstract an Prof. Dr. Lars C. Grabbe via:
l.grabbe@fh-muenster.de.
07.05.2021 um 09:05 Uhr

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