Deconstructing Sustainable Design?
Wer sich mit Sustainable Design beschäftigt, wird zunächst versuchen die Geschichte und Entstehung dieses Ansatzes nachzuverfolgen. Dabei stellt man schnell fest, dass es eine Vielzahl an Zugängen und Sichtweisen auf Nachhaltiges Design in den unterschiedlichen Designbereichen gibt. Angefangen mit den Ideen eines Buckminster Fullers oder eines Viktor Papaneks, die beide Kritiker ihrer Zeit waren, gibt es unzählige Interpretationen designerischer Praxis, die sich mit der Nicht-Nachhaltigkeit unserer Lebenswelt beschäftigen.
Die Vielzahl der Ansätze kann aber die Dilemmata des Sustainable Designs nicht auflösen. Es ist und bleibt verzwickt (wicked): Nachhaltige(re) Materialien beispielsweise benötigen zumeist ein Mehr an Energie in der Herstellung oder im Verbrauch. Suffizienz- oder andere Sparmaßnahmen laufen ins Leere, wenn beteiligte Infrastrukturen nicht auch angepasst werden. Subventionen auf der einen Seite können zu Mißbrauch führen. Schöne, plakative Interventionen auf der anderen Seite dienen auch mal dem Greenwashing unschöner und unsichtbarer Praktiken etc. pp.

Wie sollen wir mit den sogenannten Wicked Problems der Nachhaltigkeit umgehen? Jeder Eingriff erfordert ein Abwägen der vermeintlich positiven und negativen Faktoren. Feststehende Wahrheiten sind nicht auszumachen. Unser Verständnis von Sustainable Design, das wir hier gerne zur Diskussion stellen wollen, sieht Nachhaltigkeit an sich als Utopie und als sich ständig verändernden Prozess, für den es keine allesumfassenden Lösungen geben kann. Design muss hier kontextabhängig und prozessorientiert gedacht werden, ohne den Status Quo zu reproduzieren.

Wie also steht es um den Prozess des Sustainable Designs heute?
Unser Vorschlag um diese Frage zu beantworten, soll eine Diskussiongrundlage für diese Themengruppe darstellen. Eine gängige Methode, geschichtliche Zusammenhänge zu erschliessen, ist die Gestaltung eines Zeitstrahls, der relevante Ereignisse, einschlägige Schriften oder einflussreiche Impulse in eine mehr oder weniger lineare Ordnung bringt. Welche Korrelationen sich aus einer Timeline ableiten lassen, hängt sowohl von der Selektion der Inhalte, als auch vom Komplexitätsgrad und der grafischen Dimension der Darstellung ab.

Unsere erste Annäherung an den Titel unserer Themengruppe soll aber kein weiterer von unzähligen geschichtlichen Beiträgen zum Thema sein. Stattdessen haben wir eine Auswahl bereits fertiger Sustainability-Timelines (ein Beispiel ist Environmental Milestones) zusammengetragen, die zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven auf dieses Thema ausfallen können. Von der Rückbesinnung auf indigene Kulturen bis zur Huldigung moderner Technologien, alles kann als Bestandteil eines nachhaltigen Designs gesehen werden.

Der Workshop «Deconstructing Sustainable Design» findet im Rahmen der diesjährigen DGTF-Tagung in Dessau vom 18. bis 19. November 2016 statt. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

Florian Sametinger und Miriam Lahusen
02.09.2016 um 21:19 Uhr

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