Jahrestagung 2011 – Wer gestaltet die Gestaltung?
Liebe Mitglieder, letzte Woche hat sich der DGTF-Vorstand in Berlin getroffen und den Call for Papers für die diesjährige Tagung entworfen. Wir würden uns freuen, den CFP hier gemeinsam mit Ihnen/euch auszuarbeiten. Der Call wird voraussichtlich am 21. März veröffentlicht. Danke im Voraus für die Partizipation!


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Call for papers and projects
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Wer gestaltet die Gestaltung?
Praxis, Theorie und Geschichte des partizipatorischen Gestaltens

8. Jahrestagung Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e.V. (DGTF)
Voraussichtliches Datum: 21./22. Oktober 2011
Tagungsort: Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd



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Partizipation avancierte spätestens um 1970 zu einem einflussreichen Konzept bei Design- und Planungsfragen. Den historischen Hintergrund des Interesses an einer gleichberechtigten Teilhabe im Design bildet ein komplexes Gemenge aus System- und Planungstheorien, Zukunftsforschung, disziplinübergreifenden Methodendiskursen, Bürgerrechts- und Studentenbewegungen, und ein insgesamt verändertes ökologisches und soziales Bewusstsein. Dem gegenüber standen eine zunehmend als menschenfeindlich empfundene Dingwelt, technologie-orientierte Produktentwicklung, Automation und Computerisierung. Es erwuchs der Wunsch, bei der Planung und Gestaltung der zukünftigen (Um-)Welt mitzuentscheiden.

In der Folge entwickelte sich eine Reihe produktiver Entwurfs- und Gestaltungspraktiken und Theorien, in denen die Beteiligung aller Stakeholder im Zentrum stand. Die Rolle der Designerin und des Designers wird dabei auf eine produktive Weise in Frage gestellt. Während Ansätze wie das User-Centered-Design sich noch damit zufrieden geben, konkrete Bedürfnisse von Nutzer/innen in das Zentrum von Gestaltungsprozessen zu stellen, die jedoch von Gestaltern und anderen Experten durchgeführt werden, fordert die partizipatorische Gestaltung die Mitwirkung und Mitentscheidung der Nutzer und anderer Stakeholder ein. In der Folge hat die Disziplin in Theorie und Praxis Methoden entwickelt, die eine solche Partizipation im Designprozess ermöglichen sollen.

Gegenwärtig erhält diese Bestrebung neue Möglichkeiten, etwa durch die globale Vernetzung über das Internet, Crowd-Sourcing, Open-Source und Open-Innovation Bewegung, oder durch individualisierbare Serienfertigung und Rapid Manufacturing. Zugleich sieht sich jedoch der Ansatz eines partizipatorischen Designs mit dem Vorwurf konfrontiert, auf einem idealisierenden, bisweilen unreflektierten Verständnis von Demokratie und sozialer Beteiligung zu gründen. Marginalisiert wird beispielsweise, dass vermeintlich kollektiv getroffene Entscheidungen Resultate ungleicher Machtverhältnisse sein können. Auch nimmt die Profession der Gestalter für sich in Anspruch, zukünftige Bedürfnisse zutreffender antizipieren und durch Entwürfe befriedigen zu können, als andere. Ferner wird die in der gestalterischen Praxis sehr gewichtige Rolle der Auftraggeber der Gestaltungsleistung und deren häufig von den Nutzerinteressen differierenden Zielsetzungen noch nicht ausreichend beleuchtet. Entsprechend ist der Wunsch nach einer gleichberechtigten Gestaltung nicht nur mit großen Hoffnungen, sondern auch mit einer Reihe von ambivalenten Fragen behaftet: Durch welche Mechanismen und Akteure erst werden Nutzer/innen von Designprodukten zu Stakeholdern? Wie werden implizite Machtgefälle im partizipatorischen Design adressiert? Wer darf an der Gestaltung von Welt und Umwelt teilnehmen? Oder frei nach Lucius Burckhardt: Wer gestaltet die Gestaltung?

Die 8. DGTF-Jahrestagung möchte Beiträge zur Praxis, Theorie und Geschichte des partizipatorischen Gestaltens zusammenführen, vorstellen und mit Bezug auf die gegenwärtige Designforschung diskutieren. In diesem Kontext sind insbesondere auch Projekte aus einer forschenden Designpraxis willkommen.

Wir suchen originelle Beiträge zu den folgenden (und noch weiteren) Aspekten:
• zur aktuellen Theoriebildung im Bereich des partizipatorischen Designs
• zu konkreten Praktiken, Methoden, Strategien, die im partizipatorischen Design zur Anwendung kommen
• zum Stellenwert von Partizipation in der praxisbasierten Designforschung
• zum Verhältnis von partizipatorischem Design und User-Centred-Design
• zur historischen Entwicklung und intellektuellen, sozialen und technischen Einflüssen, die Konzept und Praktiken des partizipatorischen Designs prägten.
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Abstracts (4000- 6000 Zeichen inkl. Leerzeichen zzgl. Literaturangabe) zum Thema sowie kurze Angaben über Ihren beruflichen und/oder wissenschaftlichen Werdegang können ab dem 20. April 2011 auf unserer Tagungswebsite eingeben werden: www.xxx.de
Eine Publikation der ausgewählten Beiträge in Buchform in der Theorie-Reihe der DGTF (LINK) ist für 2012 geplant.

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Bitte zögern Sie nicht, sich bei Fragen an uns zu wenden:

Kontakt: Bianca Herlo, Koordinatorin
Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF)

Postanschrift: Universität der Künste Berlin
Designforschung, Fakultät Gestaltung
Einsteinufer 43, D-10587 Berlin

Tel: +49 30 8353 58353
Mobil: +49 170 857 30 78
E-Mail: mail@dgtf.de
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www.xxx.de


Cross, Nigel (Hg.): Design Participation. Proceedings of the Design Research Society’s Con-
ference. London. 1972.

07.03.2011 um 17:12 Uhr

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