Beschleunigung

Läßt man sich auf Szenarien ein, die von einer sich exponentiell entwickelnden sozio-technologischen Gesellschaft ausgehen, so stellt sich unweigerlich die Frage nach den Zielen des Design. Im Alltag des Artefaktgestaltens verbleibt die Forderung nach einem zyklischen, rekursiven Produktionskonzept; auf der übergeordneten Ebene allgemeiner Fragen gilt es radikalere Ideen zu durchdenken.

Wozu?
Es kann nicht verneint werden, dass die aktuellen technologischen Entwickungen (Nano, Bio, Gen, Robotik, AI, AGI, Assembling, …) nicht nur konvergieren – sondern vielmehr emergieren könnten. Das macht den konkreten Blick in die Zukunft, den Trendbericht, die Prognose schwieriger, unglaubwürdiger und unschärfer denn je.

Der Vorschlag ist daher, radikale Ideen als konkurrierende oder auch sich ergänzende Bilder weitestmöglich zu durchdenken, ohne diese dogmatisch als gegeben vorauszusetzen… so lassen sich in naher Zukunft auftretende Ereignisse einfacher in vorhandene, durchdachte Spektren einordnen und Konsequenzen, bzw. der Gestaltungsspielraum einfacher einschätzen.

Werkzeugkoffer
Wie sieht also der Werkzeugkoffer des Designers in 15, 25, 50, 100 Jahren aus? Und wenn wir annehmen, dass wir Nanotechnologie, Nanoassembler und Bioassembler haben werden - nicht nur wie heute in einigen wenigen Laboren, sondern auf dem Schreibtisch des Designers.

Wie wird der Kreationsprozess aussehen? Wie werden die Produkte aussehen? Was werden diese Produkte machen? Und welche Konsequenzen werden zum Beispiel Nanoprodukte auf unsere Lebensweise haben? Wie können diese Änderungen in den Alltag – besser: in das Leben von Individuen und Gemeinschaften integriert werden?

Und (wie) müssen wir die Designausbildung anpassen, damit wir diesen Herausforderungen begegnen können?
22.06.2009 um 11:49 Uhr
In Abgrenzung zum alltäglichen, unscharfen Begriff, das "alles immer schneller geht", gilt es zu analysieren, wie die menschliche Entwicklung von Technologien abhängig war und wie sich diese Symbiose zwischen Mensch, Situation, Gruppe und Technologie entwickelt hat und welche Szenarien bei der Fortschreibung dieser Geschichte in die Zukunft denkbar, wünschenswert oder realisierbar sind.

Welche Kulturmethoden sind notwendig, um Gesellschaften zu etablieren, in der die Generationsbrüche kleiner werden oder gar verschwinden – oder sind Generationskonflikte ein nützliches Werkzeug, um auf Ebene der Gruppe Reflexion hinsichtlich neuer Entwicklungen zu gewährleisten?

Doch wieweit tragen unsere aktuellen Kulturmethoden, wenn die technologische Entwicklung beschleunigt verläuft? Wenn Maschinen beginnen, selbst Maschinen zu bauen (Robotik)? Wenn Technologien unsichtbar werden (Nano)? Wenn Technologien anfangen zu leben (Biotech)? Wenn Technologien anfangen uns selbst zu verändern (Gentech)? Wenn Technologien beginnen, uns nahezu perfekt in synchron und asynchron zu vernetzen (Internet)? Wenn Maschinen beginnen zu denken (AI / AGI) Und wenn diese Entwicklungen miteinander konvergieren?

Welche Science-Fiction-Szenarien enthalten in diesem Kontext sinnvolle Visionen, von denen man Chancen und Risiken ableiten kann?

Was kann das Design als Methodenkiste leisten, um diese Entwicklung für Menschen bemerkbar, begreifbar, einschätzbar und kontrollierbar zu machen? Und welche Verantwortung erwächst dem Designer, der Produkte in dieser schönen neuen Welt entwirft?

Dies möchte ich in dieser Themengruppe diskutieren und diskursiv weiterentwickeln.
19.06.2009 um 16:40 Uhr

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