Call for Papers der Sektion Design für den Semiotik-Kongress 2011
Kongress-Termin: 12. bis 16. Oktober 2011 an der Universität Potsdam
Verkängerte Frist für die Einreichung des Vortrags-Abstract ist der 31. Dezember 2010.

Call for Papers der Sektion Design für den Semiotik-Kongress 2011

Die Sektion Design wird das Rahmen-Thema 13. Internationaler Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS) „Repräsentation - Virtualität - Praxis" in 2011 unter spezifischer Perspektive zur Diskussion stellen:

Intra-, inter- oder trans-disziplinärer Perspektiven auf Entwurf und Implementierung von ästhetischer, ökonomischer und moralischer Lebenswelt.

Eine fach-übergreifende Beteiligung liegt bereits in der Natur dieses Zuganges. Daher laden wir hiermit Referenten und Forscher aus den unterschiedlichsten Bereichen von lebensweltlicher Gestaltung ein, sich an der Sektion Design zu beteiligen. Wir kooperieren beim Kongress mit der Sektion Wirtschaft der DGS.

System-Design wird dabei strukturell als identisch mit System-Therapie beschrieben. Die verwendeten Begriffe für einzelne Semantiken wie Management, Therapie oder Design sind historisch zufällig. Wir könnten allgemein von "postheroischem System-Design" (in Anlehnung als das "postheroische Management" bei Dirk Baecker) sprechen.

Im Vorfeld erscheinen uns drei Schwerpunkte als besonders interessant, welche aber nicht als Beschränkung zu lesen sind, sondern als Anregung aufzufassen sein mögen.

1. Thematischer Schwerpunkt:

Design kann unabhängig von historisch zufälligen Semantiken definiert werden als strategische Intervention, deren Ziel in einer bewussten Überwindung der Differenz zwischen einem Ist-Wert und einem Soll-Wert besteht. Somit sind auch die Bereiche Therapie, Pädagogik und Management systemisch betrachtet Design-Disziplinen, und umgekehrt. Der systemsemiotische Ansatz erlaubt die Unterscheidung von intra-, inter- und trans-disziplinärem Design. Diese befassen sich mit verschiedenen Arten von Ist-Soll-Differenzen, die jeweils als die zu beseitigende Sub-Optimalität aufgefasst wird. Behandelt nun die intra-disziplinäre Sicht nur syntaktische Differenzen eines definierten Codes? Sind inter-disziplinäre Designer als eine Art von Übersetzern zu begreifen, die ein Interface von einer Semantik zu einer andere entwerfen? Können nur trans-disziplinäre Designer die pragmatischen Probleme thematisieren, welche in der normativen Natur der Soll-Werte und deren Legitimation bestehen?

2. Thematischer Schwerpunkt:

System-Design vereinigt als systemische Designwissenschaft notwendigerweise Aspekte von Ressourcen-Ökonomie, Gestaltungs-Moral und Rezeptions-Ästhetik. Aus dieser Sicht macht es durchaus Sinn den disziplin-übergreifenden Blick zu wagen. Dies geschieht in jüngerer Zeit auch vermehrt. So ist die „Glücksökonomie" aus einer Verknüpfung von wirtschaftswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektiven entstanden. Dass auch Ästhetik und Ressourcen-Ökonomie eine fruchtbare Verbindung auf empirischem Boden eingehen können, zeigt etwa der neue Ansatz der „Integrativen Ästhetik". Und nicht zuletzt ist die Tradition von Bauhaus und Hochschule für Gestaltung Ulm zu erwähnen, welche die Trennung von Kunst und Design sowie von politischer und ästhetischer Lebenswelt zu überwinden trachteten. Welche Probleme sind hiermit verbunden? Sind diese auf das damit notwendige Abstraktions-Niveau und damit einhergehende Virtualisierung zurückzuführen? Welche methodischen Ansätze für Analyse, Entwurf und Implementierung eines ästhetisch, ökonomisch und ethisch reflektierten „guten Lebens" sind möglich? Und woran würden wir es erkennen, wie nahe wir diesem Ziel gerade sind?

3. Thematischer Schwerpunkt:

Design muss sich vor einer Komplizenschaft mit den Mächtigen (wie der Kulturindustrie) vorsehen. Designer müssen sich die Welt so zurichten, dass sie laufend nachgefragt werden. Probleme dürfen demnach nicht gelöst und Bedürfnisse nicht wirklich befriedigt werden, vielmehr müssen sie virulent bleiben, um die Suchtstruktur zu erzeugen, von der das Wirtschaftssystem und auch der Designer lebt. Nur wer im Unglück lebt, ist empfänglich für Glücksversprechen. Ziel der Kulturindustrie ist daher nicht das Glück der

Menschen, sondern ein permanentes Glücksversprechen, das durch immer neue Produkte zu Geld gemacht wird. Wenn die Gesellschaft als Ganzes zum Design-Problem wird, kommen wir um die Frage nach strukturellen Problemen nicht herum: Woran ist ein krankes System eigentlich erkennbar? Gibt die Designtheorie eine Antwort auf die sozialpathologische Dynamik?


Hinweise zur Gestaltung des Abstract:

Das Abstract kann auf Englisch oder Deutsch eingereicht werden. Es sollte nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein (etwa 300 Wörter) und neben dem Titel der Präsentation und fünf inhalts-charakterisierenden Stichwörtern (Keywords) den Namen, die wissenschaftliche Institution und die E-Mail-Adresse des Teilnehmers enthalten. Die Dauer der Präsentation sollte 30 Minuten (+ 15 Minuten Diskussion und technischer Aufbau) nicht überschreiten.

Termin und Kontakt:

Frist für die Einreichung des Vortrags-Abstract ist der 30. September 2010.
Bitte per eMail an einen der beiden Beiräte, welche die Sektion Design in der DGS leiten:
Klaus Schwarzfischer ks@indukt.de
Thomas Friedrich t.friedrich@hs-mannheim.de
Die Benachrichtigung über die Annahme des Beitrages erfolgt bis zum 31. Oktober 2010.

Es ist geplant, die Beiträge der Sektion Design als Buch zu publizieren, das bereits zum Kongress erscheint. Die Volltext-Version des Vortrages (bis zu ca. 5.000 Wörter) ist dann bis 31. Dezember 2010 einzureichen, wenn der Beitrag im Buch erscheinen soll. (Die Akzeptanz des Kongress-Vortrages ist davon nicht unmittelbar betroffen. Aber eine komplette Buch-Fassung erscheint uns wünschenswert.)

Lektüre-Empfehlungen im Vorfeld:

Schwarzfischer, Klaus (2010): Transdisziplinäres Design: Design als Intervention und System-Therapie. (Was verbindet jede Gestaltung in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Politik sowie Gesundheit?) Regensburg: InCodes Verlag.

Friedrich, Thomas & Schwarzfischer, Klaus (Hrsg.) (2008): Wirklichkeit als Design-Problem. Zum Verhältnis von Ästhetik, Ökonomik und Ethik. Würzburg: Ergon Verlag.

Boland, Richard J. jr. & Collopy, Fred (2004): Managing as Designing. Stanford: Stanford Univ. Press.
21.05.2010 um 08:57 Uhr

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