"We have a situation": Überarbeitung der VDI Richtlinie 2424
Auf der eee2014 referierte Robert Watty als Ausschussmitglied über die Neuformulierung der VDI Richtlinie 2424. Der präsentierte Zwischenstand ist erschreckend. Er bildet einen über 40 Jahre veralteten Stand der Diskussion zu unserem Beruf und auch diesen nur in Ausschnitten ab. Insbesondere atmet er den mechanistischen Grundtenor des Spät-Funtionalismus: die Gestaltung hat ausschließliches Ziel, durch die ästhetische Ausformung die technische Funktion zu unterstützen. Siehe dazu die selektive Darstellung der Designgeschichte im Paper*.
Ziel der Neubearbeitung*:
[i]"Inhaltlich soll die neue VDI/VDE-Richtlinie 2424 unter anderem die folgenden Punkte enthalten, um das wechselseitige Verständnis von Designern und Ingenieuren zu fördern und ihre Zusammenarbeit zu verbessern:
— Design soll als Begriff definiert und die Kernkompetenzen von Industrie Designern sollen benannt werden.
— Der Stand der Technik von Methoden und Werkzeugen im Design soll nachvollziehbar und reproduzierbar dargestellt werden und der Zusammenhang zu anderen Richtlinien soll hergestellt
werden.
— Design soll als integraler Bestandteil des modernen Produktentstehungsprozesses eingeordnet werden.
— Designrelevante Aspekte im Produktentstehungsprozess sollen aufgezeigt werden.
— Allgemeine, objektivierbare Gestaltungskriterien sollen vermittelt werden."[/i]
und:
[i]"Die neue VDI/VDE-Richtlinie 2424 soll dabei die folgenden Zielgruppen in Praxis und Ausbildung ansprechen:
— am Produktentstehungsprozess im Unternehmen maßgeblich beteiligte Personen aus Planung, Entwicklung, Konstruktion, Herstellung, Qualitätssicherung und Vertrieb,
— strategische Entscheider aus der Unternehmens- oder Projektleitung,
— externe Industriedesigner und Dienstleister sowie auch
— Ingenieure und Designer in der Ausbildung."[/i]*

Selbstverständlich ist das Ziel ehrenhaft und die Zusammenarbeit der Berufe muss durch gegenseitige Aufklärung gefördert werden. Wenn jedoch die grundlegend unterschiedliche Sozialisierung, Ausrichtung und Verantwortlichkeiten der Berufe, die Blick- und Standpunkte (Stichworte spekulativ versus normativ, tame versus wicked problems) nicht auftaucht, ist das Ziel nicht zu erreichen. Wenn die Vorstellung Designer tun das Gleiche wie Ingenieure, sie bearbeiten nur Form und Farbe, Konsens im Ausschuss ist, dann kann das Ergebnis nicht konstruktiv werden.

Da laut zugänglichen Informationen J. Krzywinski, als auch J. Rambo Mitglied des Ausschusses sind, ist die mit dem Paper präsentierte Stossrichtung mehr als unverständlich, sind wir doch (z. B. auf unserem DesIng-Workshop) weit über die hier zu findenden Vorstellungen hinaus. Die DGTF als Vertretung insbesondere der Forschenden und Lehrenden muss sich in diese Diskussion einmischen … Ich würde mir wünschen, wenn wir zur nächsten DGTF-Tagung in Konstanz eine Session zu der Problematik machen und vielleicht aus dem Ausschuss berichtet wird: vielleicht entpuppt sich der Zwischenstandsbericht als Missverständnis und meine "Feuer"-Rufe als unnötige Überspanntheit.

* "Neue Industrial Design Prozesse für die Produktentwicklung – Die Überarbeitung der VDI/VDE-Richtlinie 2424" Gerhard Reichert, Robert Watty und Christian Zimmermann in "Entwickeln – Entwerfen – Erleben 2014. Beiträge zum Technischen Design" Herausgeber: Jens Krzywinski, Mario Linke, Christian Wölfel und Günter Kranke, Reihe Technisches Design Nr. 9, Vorabdruck 2014, ISBN 978-3-944331-66-9
29.06.2014 um 13:54 Uhr

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