Dokumentation

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CIVIC DESIGN

Zur Theorie und Praxis des Sozialen und Politischen im Design | Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle | 01-02.12.2017

Das ausführliche Programm finden Sie hier: Tagungswebseite

Die 14. Jahrestagung der DGTF mit dem Thema “Civic Design – Zur Theorie und Praxis des Sozialen und Politischen im Design” fand am 01. Und 02. Dezember an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle statt. Wir freuen uns über die rund 330 Teilnehmer/innen die in diesem Jahr den Weg zur Tagung gefunden haben.

Ausgangspunkt der Tagung war die aktuell neu entflammte, diskursive wie praktische Hinwendung zu politischen und sozialen Dimensionen im Design. In enger Wechselwirkung mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der letzten Jahrzehnte strebt die Designdisziplin danach, sich in ihrer Beziehung zu gesellschaftspolitischer Komplexität neu zu definieren.
Die Konferenz adressierte sowohl die praktischen als auch die theoretischen und normativen Herangehensweisen, die das Design in neuen Verhältnissen zu Politik und Gesellschaft verorten und ausdifferenzieren. Gleichsam wurde nachvollzogen / versucht nachzuvollziehen auf welchen historischen Entwicklungen die Neuverhandlungen aufbauen, um eine Basis für eine synthetisierende und weiterführende Diskussionen zu schaffen.

Folgende Leitfragen bildeten die Basis für die Strukturierung der Tagung: Auf welche historischen Ansätze rekurrieren wir, welche ignorieren wir? Welche Rollenbilder und Selbstverständnisse nehmen wir ein, wie werden diese Rollen kontextualisiert? Welche Wirkungskraft können wir in diesem Kontext entfalten, welche Beiträge liefern und wo zeigen sich Fallstricke? Bis wohin versuchen wir, diese neuen Entwicklungen als “Design” zu fassen, ab wann müssen wir von etwas anderem Sprechen?

Die Konferenz adressierte sowohl die praktischen als auch die theoretischen und normativen Herangehensweisen, die das Design in neuen Verhältnissen zu Politik und Gesellschaft verorten und ausdifferenzieren. Gleichsam wurde nachvollzogen / versucht nachzuvollziehen auf welchen historischen Entwicklungen die Neuverhandlungen aufbauen, um eine Basis für eine synthetisierende und weiterführende Diskussionen zu schaffen.

Das Programm der Tagung bildeten vier Panels in Deutsch und Englisch, elf Kurzvorträge, sowie parallel stattfindende Roundtables und Workshops. Außerdem gab es eine Ausstellung mit Design- und Kunstprojekten von Dozierenden und Studierenden der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zu sehen. Abgerundet wurde das Programm durch ein festliches Dinner am Freitagabend, das durch eine Rede von Massimo Botta (Swiss Design Network) eröffnet wurde. Bianca Herlo, Andreas Unteidig und Matthias Görlich bildeten in diesem Jahr das Tagungskommittee. Das ausführliche Programm der Jahrestagung 2017, können Sie weiter auf der Tagungswebseite nachlesen.

Freitag 01.Dezember

Panel I

Den Anfang zur Tagung bildete am Freitag die erste Panel Debatte. Diese sollte eine historische Einordnung des Themenkomplexes unter der Leitfrage: “Auf welche historischen Ansätze des Sozialen und Politischen Designs rekurrieren wir heute, welche Ignorieren Wir?” liefern. In ihrer Einführung fragte Claudia Banz zunächst nach der Begrifflichkeit des Civic Designs und danach ob es sich um einen Container Begriff handle oder gar um eine Ablösung für das Sozio-Design. Claudia Mareis machte in ihren Ausführungen drei Diskursstränge im 21. Jahrhundert aus und ging auf die Fragen ein, welches Narrativ die Bewegungen des Social Design und partizipatorischen Designs unterfüttert und welche Problematiken dieses aufweist. Der 1. Diskursstrang der genannt wurde, ist die Veranschaulichung von Wissen also auch Designpädagogik. Der 2. Strang dreht sich um Planung, Partizipation und Wicked Problem Solving. In diesem Zusammenhang rekurrierte Mareis beispielsweise auf Horst Rittel und Viktor Papanek, die eine stark systematische und ökologische Sicht auf Design vertraten und Gestaltung in einem gesamtheitlichen Kontext betrachtet. Dieser Diskurs sei auch aus heutiger Perspektive noch relevant. Den 3. Strang bildet der Künstlerische Aktivismus und Aktionismus die Strömungen des Social Designs von heute kann man historisch in einer Strömung des künstlerischen Aktivismus der 1960er Jahre verorten. Der vierte Punkt ist das Narrativ der Krise, das alle drei Stränge immer wieder durchwebt und das immer wieder auf den Plan geworfen wird, wenn es um Partizipation und aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft geht. Eine solche Krisenrhetorik kann auch immer ein gewisses Eigeninteresse innehaben, weil sie eine Legitimation bietet. Aus diesen Ausführungen folgerte Mareis die Frage inwiefern Designer/innen für die Probleme mitverantwortlich seien, die sie zu lösen versuchen. Es folgte die Übergabe an Bazon Brock mit der Frage: Warum gibt es kein Lernen aus der Historie? Warum dreht man sich im Kreis? Ebenso wie Claudia Mareis machte auch Bazon Brock 3 Aspekte aus, die seiner Ansicht nach für die Entwicklung des Civic Design aus historischer Perspektive maßgeblich seien. Relevant für diese Aspekte war zunächst seine Definition des Civic Designs als eine Art der Gestaltung außerhalb des militärischen Rahmens. Der erste Aspekt den Brock nannte war das seit der Antike bekannte Konzept des “Ut Pittura Poises” bei dem es um die Art und Weise der Darstellung geht und durch das Brock das Design nach Habermann als Form des öffentlichen Sichtbarmachens definierte. Er folgerte daraus das entscheidende Argument, dass schon die Darstellung einen Großteil des Erkenntnisprozesses beinhaltet. Der zweite Aspekt den Brock ausmachte waren auf methodischer Ebene die Strategien der ernestinischen Bettiner, die zu der bereits erwähnten Fruchtbringenden Gesellschaft gehörten und die Organisation des Sozialen aus dem Zivilen begründeten und mit Rückblick auf das Themenfeld der Designpädagogik außerdem das Lehren und Lernen als Aufführungskünste in den Mittelpunkt stellten. Der Dritte Aspekt den Brock nannte bezog sich auf Darvin und dessen Erkenntnis dass der Anpassungsprozess in der Evolution (den er mit Design in Verbindung brachte) auf Kommunikation ohne Verstehen beruht. Dies brachte er dann wiederum mit der Technologisierung und Digitalisierung in Verbindung und sagte die Rolle des Designs sei die Übersetzung des impliziten Wissens in explizites Wissen um es so für eine breite Masse zugänglich zu machen. Im Anschluss an die Ausführungen der Panelisten fand eine lebhafte Diskussion mit reger Beteiligung des Publikums statt. Die Debatte bildete einen kontroversen und spannenden Auftakt für den weiteren Fortgang der Tagung und regte auch im Nachhinein zu Diskussionen an.

Im Anschluss an die erste Paneldebatte wurden in drei parallelen Tracks Kurzvorträge gehalten.

Track I

In Track 1 stellte Laura Popplow am Beispiel des co.city lab vor, welches politische Potential Designmethoden, wie Visualisierung und Modellbau, vor allem in städtischen Entwicklungsprozessen bieten. Hierfür wurden konkrete Beispiele aus vier Workshops angeführt, an Hand derer das Potential von Designmethoden in der Bürgerbeteiligung diskutiert wurde und die Notwendigkeit eines neuen Vokabulars für Partizipation und Bürgerbeteiligung erläutert wurde. Der Kurzvortrag Martin Gessmans basierte auf der These, dass „der Designer“ schon immer in Parallele zum Politiker oder zum Staatsmann wahrgenommen wurde, dass sich dies aber für die Zukunft ändern würde, je smarter und selbstständiger die Technologie Dinge erscheinen lässt. Gessmann ging in seinem Vortrag davon aus, die Frage wie die Verhältnisse in unserer künftigen Lebenswelt angelegt sind, werde ausdrücklich auch in politischer Hinsicht zu erörtern sein. Lucas Kusters Vortrag “Dissens als Element der Verhaltensänderung” stellte eine designerische Herangehensweise vor (“Dissens”), die auf dem Prinzip dystopischer Spekulation basiert. Dabei wird das dissens Erzeugende (das dystopische Moment) als mögliche Tonart des Designs untersucht und als Experiment in die Praxis übersetzt. Auf Basis dieser Methode sollen wünschenswerte Zukunftsszenarien begünstigt werden. Der Vortrag “The Art of being engaged” von Anke Haarmann nahm Kunst als aktivistische Kraft für das Design zum Vorbild und verdeutlichte damit, dass das Engagiert-Sein taktische Probleme der Vereinnahmung oder Ausbeutung, aber auch ästhetische Herausforderungen an mediale Präzision mit sich bringt.

Track II

Der zweite Track fand auf Englisch statt. Sebastian Löwe stellte das Projekt Detroit Resist vor, und diskutierte daran zwei wesentliche Aspekte und Entwicklungen zeitgenössischer politischer Design-Praxen. Er ging dabei zum einen davon aus, die Praxen von Aktivist/innen hätten sich im Zeichen der Krise zwischen Design, Architektur und Kunst vollständig aufgelöst und kritische politisch-wissenschaftliche Diskurse wie Critical Whiteness, Postcolonialism und Gendertheorien in ihre Praxen inkorporiert. Zum Anderen entstehe eine neue, politisierte Design-Generation, die man im Anschluss an Horst Rittels bekanntes Diktum von den zwei Design-Generationen auch die “dritte Generation des Designs” – des Krisen-Designs – nennen könne. Sara Velez adressierte in ihrem Kurzvortrag „the Freedom Dilemma“ Freiheit als Konzept im Kontext politischer Dimensionen im Umgang mit digitalisierten Kommunikationsdesign Projekten. Sie rekurrierte hierfür zunächst auf klassische und historische Positionen in Bezug auf den Freiheitsbegriff im Design und argumentierte für das Konzept der Freiheit als Antwort auf “dialektische Dilemmatas” des Kommunikationsdesigns. Paola Pierri beschrieb in ihrem Vortrag einen „Social Turn“ bei dem Design eine immer größere politische und gesellschaftliche Bedeutung zugemessen wird. In diesem prognostizierte sie zwei mögliche Szenarien, die sie an Hand der von ihr gesammelten Erfahrungen im Sektor für psychologische Gesundheit, bei der sie Menschen ohne Designausbildung in Designprozessen unterstützte, konstruierte.

Track III

Susanne Stauch leitete mit der Vorstellung zweier Projekte den dritten Track ein: Mit den an der Universität der Künste Berlin und in Kooperation mit Slumschulen in Nairobi und Kenia durchgeführten co-kreativen, partizipativen Entwurfsprojekten „Regenerate! – Fluid Community Food Systems“ und „The Love School Project – Co-creation and Design for Transformation“ wurden zwei für das Erlangen von Eigenständigkeit und Unabhängigkeit wichtige Bereiche identifiziert: Nahrungsmittelproduktion & Permakultur sowie Handwerk & Polytechnik.

Sebastian Randerath skizzierte in seinem Kurzvortrag “Der Entwurf als radikal politische Praxis” auf Basis der Analyse bestehender design- sowie politiktheoretischer Diskurse ein radikal diskursives Verständnis von Design als politischer Praxis.

Michael Scholz erläuterte mit “Scheiß mal auf Breaking Bad — Crystal Meth aus Brandenburg” die bisherigen Rechercheergebnisse und gestalterischen Herangehensweisen seines gleichnamigen Design Projekts, bei dem mit Hilfe von Suchtärzten eines Klinikums in Brandenburg und unter Beteiligung von Konsument/innen der Droge eine partiziptive, digitale Plattform entsteht, die zur Aufklärung, zum Austausch und zur Kontaktaufnahme mit Beratungsstellen beitragen soll.

Christoph Rodatz & Pierre Smolarski vertraten mit ihrem Kurzvortrag “Wie können wir den Schaden maximieren? Gestaltung entlang gesellschaftlicher Konfliktlinien” eine kritische Position gegenüber den unter “Civic Design” oder “Social Design” verstandenen Herangehensweisen und Versuchen, Verhältnisse, Stimmungen und Strukturen zu verbessern. Sie bedienten sich hierfür der Methode des Umkehrens, bei derer sie die Fragen umkehrten, die klassischerweise im Zusammenhang mit diesen Designpraxen gestellt werden um so ein schärferes Bild dessen zu zeigen, was Civic Design bedeutet und was es bewirken kann oder auch nicht und Widersprüche aufzudecken.

Panel II

Im Anschluss an die parallel laufenden Kurzvorträge fand die zweite Panel Debatte auf Englisch statt, bei der Guy Julier, Jocelyn Baily, Ruedi und Vera Baur unter der Moderation Jesko Fezers der Frage nach dem: “Status Quo: Where do We stand?” nach gingen. Moderator Jesko Fezer leitete die Diskussion mit den folgenden Fragen ein: How shall we do and think social and political design? What kind of social and what kind of politics do we mean? How are the boundaries of social and political design currently being pushed, rearranged or even questioned? Er stellte zudem die These auf: Design accepts political engagement but is neither willing nor able to name a political position as to what this social should mean. Baily antwortete als erstes und sprach aus der UK Perspektive. Sie sagte, dass an das Design angelehnte Methoden im politischen Zusammenhang auf strategische Art und Weise genutzt werden und ging dabei insbesondere auf eine Neuverwendung von Begriffen ein, die mit dem Design zusammenhängen wie beispielsweise “prototyping” oder “human centered design”. Ihre Kritik an dieser Entwicklung betraf die mangelnde Hinterfragung dieses Austausches auf beiden Seiten. Zudem kritisierte Baily dass es nicht klar sei, inwiefern diese neu entwickelten Tools tatsächlich von politischem und sozialem Nutzen seien. Auch die Rolle des Designers müsse im politischen Kontext näher beleuchtet werden, da Designer häufig nicht über die nötige (Aus-)Bildung verfügten, um im politischen Feld inhaltlich komplex mitagieren zu können, weshalb es leicht sei bestimmte politische Meinungen unbewusst in die Arbeit der Designer zu integrieren. Baily sagte jedoch auch, dass eine solche Integration von Design die Grenzen für mehr Partizipation auf Bürgerseite öffne und daher durchaus auch positiv betrachtet werden kann, es sei jedoch notwendig nicht naiv mit der politischen Beteiligung des Designs umzugehen. Als Zweites sprach Vera Baur. Sie betonte zunächst noch einmal die Unterscheidung zwischen Civic und Civil und sagte Design solle sich vor allem auf die Vermittlung und den Vertrag zwischen Bürgern und der (politischen) Instanz stützen. Dafür sei es essentiell, dass der Mensch im Fokus des Designs stehe. Auch Vera Baur kritisierte den Krisen Terminus und sagte, wir befänden uns in einer symbolischen Krise, die um das Problem der Macht der Produktion zirkuliere und die Schere zwischen Arm und reich vergrößere. Das Design das hier herum agiere sei kein “Social Design”. Um einem solchen näher zu kommen müsse Expertise neu gedacht werden um eine größere Bandbreite der Bevölkerung miteinzubeziehen. Erst wenn jedem Menschen ein Wert zugesprochen werde und dies in die Co-Produktion von Gesellschaft miteinfließt könne man von einem civic design sprechen. Ruedi Baur ergänzte, dass es besser sei nicht danach zu fragen was civic sei, sondern sich stattdessen anzusehen was “un-civic” ist. Er nannte darauf das Beispiel großer Konzerne, die für eine ungerechte Bezahlung stünden und sagte dann, die Aufgabe des Designs solle es sein neue Einsichten in solche Situationen zu bringen und sich an einem globalen Transformationsprozess zu beteiligen, weg vom Kapitalismus und hin zu einer bedachteren Form von (verringertem) Konsum. Als letzter Teilnehmer des Panels kam Guy Julier zu Wort. Er sprach das Paradoxon an, dass Design immer in der Zusammenarbeit eingebettet sei. Er warf dabei folgende Fragen auf: How much of activism gets coopted into capitalism and in which way? which parts are used, which aren’t? How does it happen? How can we built resilience against it? Er sagte, dass die Beziehung zwischen Aktivismus und Kapitalismus eine wechselseitige sei und nannte hierfür einige Beispiele aus der Vergangenheit. Er kam darauf folgernd zu der These, dass Neoliberalismus keine Bedrohung außerhalb des Designs sei sondern das Design eine aktive Rolle dabei spiele die Praktiken des Neoliberalismus fortzuführen. Im weiteren Verlauf der Debatte kamen die Diskutanten wieder auf die Krise zu sprechen und machten beispielsweise den demografischen Wandel als eine bevorstehende Krise aus. Wie reagieren Designer auf eine solche Realität und was kann getan werden um mit dieser umzugehen?


Samstag 02.Dezember

Panel III

Der Samstag startete ebenfalls mit einer Panel Debatte. Hier diskutierten Reto Wettach und Judith Simon unter der Moderation von Gesche Joost über “Design in a Digital Society” und widmeten sich den Fragen: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Entwicklung des Civic Design? Gibt es eine Demokratisierung durch offene Technologien? Gibt es neue Formen der Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsbildung durch die Digitalisierung? Welche Formen der Inklusive und Exklusion gibt es durch Technologien? Was ist die Akteurrolle des Designers in diesen Entwicklungen? Judith Simon begann die Debatte mit einem Exkurs über drei entscheidende Aspekte der Ethik in der Informationstechnik. Diese seien die Frage nach der Verantwortung für die Innovation, die Ethik der Nutzung und die Ethik des Designs. Für die Praxis richtet sich ein weitergeleitetes Design in der Computerethik methodisch nach drei interdisziplinären Phasen: Philosophisch, Empirisch und Technologisch. Eine weitere wesentliche Frage ist die der Designintention. Hier gelte es zu bedenken, dass Technologien ganz anders genutzt werden können als ursprünglich intendiert. Daran knüpfen sich Machtfragen an. Wer kann seine Vision in die Technologie einschreiben und sie einsetzen. Wertabwägungen unterscheiden sich außerdem Kontext bedingt. Inwiefern findet im Kontext von Big Data eine Demokratisierung statt? Oder führt die ökonomische Strukturierung der Datenmärkte zu einer Monopolisierung? Inwiefern kann ein weitergeleitetes Design oder Civic Design dem gegensteuern? Als nächstes sprach Reto Wettach der sagte, die Aufgabe des Designers im Kontext Civic Design sei es bei der Technologisierung, Tools zu schaffen die es Nicht-Experten ermöglichen kreativ und gestalterisch tätig zu werden. In der Demokratisierung dieser Tools gäbe es noch blinde Flecken, vor allem im Bezug auf Daten. Viele Datensätze werden unter dem Stichpunkt open Data veröffentlicht, diese sind aber nicht verständlich für die breite Öffentlichkeit. Es gehe darum, eine neue Lesbarkeit für Daten zu schaffen und einen kreativen Umgang mit Daten. Hier werde der Designer gefordert, denn durch eine Undurchdringlichkeit und Unverständlichkeit komme es zu einer Entmündigung des Nutzers. Neben der Befähigung im Umgang mit Daten gäbe es noch den Bereich des Experimentierens. Im politischen Bereich brauche es eine neue Toleranz zum Scheitern und neue, schnelle Experimente. Gesche Joost leitete die Debatte daraufhin auf die Frage nach dem Umgang mit Daten im Kontext Open Source und Open Data. Es herrschte ein Konsens darüber, dass für die Nutzer eine Data Literacy geschaffen werden müsse um so den mündigen Einbezug des Einzelnen in einzubeziehen und ihm die Macht über die eigenen Daten wiederzugeben. Design komme hier wieder eine Vermittlerrolle zu. Auf Seiten der Politik gäbe es ein großes Unverständnis und Wissensdefizit. Die Rolle des Staates sei es aber, den Sozialstaat zu sichern. Dafür müsse es mehr Transparenz und ein größeres Bewusstsein geben. Der Umgang und die offenlegung von Daten seien immer in einem Wechselseitigen Verhältnis, es sei einfacher die Win-Sitatuon zu erkennen als Nutzer, der seine Daten freigibt, letztendlich entziehe sich dem Nutzer aber die vollständige Kontrolle über seine Daten. Die Verantwortung des Designers liege darin, sich für einen wertegerechten Umgang mit Daten einzusetzen.


PANEL IV

Bei der zweiten Debatte am Samstag diskutierten Tim Marshall und Wolfgang Jonas, moderiert von Michael Erlhoff, auf Englisch über “Major Failures in Design Research”. Die Debatte kritisierte ein nicht genügend geschärftes Designverständnis, das sich in Metatheorien flüchtet und sich zögerlich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen verhält. Zudem widmete sich die Debatte in kritischer Weise einem überhöhten Selbstverständnis von Designmethoden und kritisierte einen philologischen Heroismus. In Kontrast dazu reflektierten die Diskutierenden darüber, was ein Verständnis des Sozialen und Politischen für das Design leisten kann und plädierten für experimentelle und empirische Ansätze in der Designforschung.

Abgeschlossen wurde das Programm der Tagung durch parallel stattfindende Workshops und Roundtables.

Roundtables und Workshops

Uta Brandes moderierte den Roundtable zu “Gender Design – Streifzüge zwischen Theorie und Empirie”. Die Diskussion basierte auf dem gleichnamigen Buch, das sich mit den essentiellen Fragen von Gender im Design theoretisch und praktisch auseinandersetzt, und die grundsätzliche Notwendigkeit erörtert, Gender in den Designprozess miteinzubeziehen.

Den Ausgangspunkt für den Roundtable “Dabeisein und Dagegensein”. von Peter Friedrich Stephan & Jacqueline Hen, bildete das Ziel eines „integrativen Diskurses“ [Bonsiepe], mit dem eine Genealogie aufgezeigt werden kann, die es zu aktualisieren und fortzuführen gilt, wie z.B. Praxeologie [Bourdieu u.a.], Systemtheorie [Baecker] und Sozio-Design [Brock]. Schließlich wurden die Folgen für Forschung, Lehre und Praxis mit Beispielen aus der eigenen Arbeit diskutiert.

"War ich gut?" fragten Steffen Herm, Miriam Lahusen, Susanne Ritzmann, Florian Sametinger. Der Round-Table diskutierte «Sustainable Interventions», die ihren Ursprung nicht im Design finden, und verglich diese mit gestalterischen Maßnahmen aus dem Design. Angeführt wurde die Diskussion von der Frage nach Evaluationskriterien für Aktivitäten, Maßnahmen und Interventionen im urbanen Raum.

Kai Rosenstein & Boris Bandyopadhyay stellten mit ihrem Roundtable das “SDA – Social Design Archive” vor. Es wurde entwickelt, um das Wissen im Bereich Social Design zusammenzutragen und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Teilnehmenden erwartete ein wörtlich zu nehmender dynamischer Austausch zu Vorgehensweisen, Erfahrungen und Ergebnissen.

David Oswald diskutierte unter der Leitfrage: “Politik, Wirtschaft und Design: Was hindert uns an der "großen Transformation"?” Explizit politische Äußerungen werden auf Designkonferenzen weitgehend vermieden. Gibt es möglicherweise unausgesprochene, selbstauferlegte Denk- und Redeverbote in der Design Community? Wie wirkmächtig kann das Design in Bezug auf sozialen, nachhaltigen und wirtschaftlichen Wandel wirklich werden, wenn es doch Kritik an Politik und Wirtschaft weitgehend vermeidet? Gibt es in der aktuellen Diskussion um Design als "Change Agent" blinde Flecken? Was darf man gefahrlos diskutieren und kritisieren, und wo drohen den Designern wirtschaftliche und soziale Kosten?

Maria Cecilia Loschiavo dos Santos betrachtete den globalen Blickwinkel mit ihrem Roundtable: “Design and Civic Life: a global perspective”. Die Teilnehmenden reflektierten darin die Entwicklung des Designbegriffs und dessen verschiedene Bedeutungen, die sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts etablierten. Zudem hatte der Workshop das Ziel ein kritisches Verständnis dafür zu generieren inwiefern Design soziale und gesellschaftliche Prozesse prägt.

Philipp Zerweck & Guido Kühn behandelten die didaktischen Fragen von Civic Design, in ihrem Roundtable mit der Frage: “How to teach Civic Design?” behandelten die Frage, welche Kompetenzen angehende Designer benötigen und wie man diese vermittelt, um die politischen und sozialen Dimensionen im Design zu bewältigen. Lehrende berichteten in kurzen Statements über Best-Practice-Projekte zur Anreicherung der anschließenden Round Table Diskussion.

Parallel zu den Roundtables hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit an einem Workshop mit Christian Zöllner teilzunehmen, der den Titel: “Fabmobil - ein fahrendes Kunst- und Technologielabor für die Oberlausitz” trug. Das Fabmobilprojekt des Design- und Forschungstudios The Constitute macht neue Produktions- und Entwurfsprozesse für den ländlichen Raum in Ostsachsen erfahrbar. Als vollumfänglich ausgestatteter Werkstattbus bringt das Fabmobil 3D-Druck, Hacking, Coding, VR und Rapidprototyping zu Schulen, Jugendhäusern und informellen Begegnungsortenim Kulturraum Oberlausitz. Christian Zöllner, Designer bei The Constitute und Vorstand des gemeinnützigen Constitute e.V. berichtet über seine Erfahrungen im Entwickeln, Beantragen und Durchführen eines solchen sozio-kulturellen Projektes mit einem Handlungswirkraum über den tradierten Designbegriff hinaus.


Die DGTF blickt mit der Jahrestagung 2017 auf eine vielseitige Tagung zurück, die sich durch eine spannende Diskussionsdynamik auszeichnete und unterschiedlichen Perspektiven rund um die Thematik Raum bot. Nicht zuletzt die Rege Beteiligung der Community, für die sich die DGTF bei allen Teilnehmenden bedanken möchte, sowie auch das Engagement der Gastgeberhochschule und des Tagungskomittees waren entscheidend für den Erfolg der Tagung. Den Abschluss bildete am Samstag die Zusammenfassung der Tagung mit Danksagungen durch das Tagungs-Komitee.

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