Dokumentation

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REFLECTING RESEARCH

DGTF Tagung 2016 | Hochschule Anhalt | Fachbereich Design in Dessau | 18.11.–19.11.2016

Am 18. und 19. November 2016 kamen rund 240 Besucher/-innen an das Bauhaus und die Hochschule Anhalt in Dessau zur 13. Jahrestagung der DGTF. In einem diskussionsfreundlichen Mix aus Vorträgen, Debatten und Workshops standen in diesem Jahr die Reflexion von Designforschung und -projekten sowie die Auseinandersetzung mit den zukunftsfähigen Schnittstellen von Designtheorie und -forschung zu anderen Disziplinen im Vordergrund.

Die 13. Jahrestagung der DGTF widmete sich aktuellen Ansätzen und Praktiken der Designforschung und bot Räume der Reflexion: Anhand konkreter Beispiele aus der Forschungslandschaft diskutierten die Beitragenden und Teilnehmenden zum einen inhaltliche Problemlagen und Fragestellungen. Welche Themen haben aktuell Konjunktur und warum? Welche spannenden und visionären Forschungsprojekte gibt es aus Sicht der Theorie, der Praxis und der Lehre?
Zum anderen begaben wir uns auf eine Meta-Ebene und reflektierten Methoden und Herangehensweisen: Welche neuen Zugänge und Entwicklungen sind erkennbar und wie forschen wir in der Zukunft? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen?

Kompetenter Partner bei der Durchführung der Tagung war der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt in Dessau. Die Dokumenation erfolgte mit der Hilfe des DokuTeams des Fachbereichs Design.
Wir bedanken uns auch bei Michael Erlhoff, David Oswald, Jan-Henning Raff, Jennifer Schubert, Philip Zerweck und Birgit Bauer für ihre Textbeiträge zur Dokumentation.Einen Einblick in das Programm finden sie auf dem Tagungsflyer. Auf der Facebook Seite zur Tagung, sowie unter den folgenden hashtags finden Sie weitere Impressionen:

facebook/dgtf2016

#ReflectingResearch


Reflecting Research DGTF Tagung 2016 Dessau from DGTF on Vimeo.

ÜBERSICHT

PODIUMSDISKUSSION: DER ÖKONOMISCHE IRRGARTEN DER DESIGNFORSCHUNG
PARALLELVERANSTALTUNG: RESEARCH REFLECTIONS, Freitag 18.11.
ARALLELVERANSTALTUNG: DISKUSSIONEN UND WORKSHOPS I, Freitag 18.11.
ARALLELVERANSTALTUNG: DISKUSSIONEN UND WORKSHOPS II, Samstag 19.11.
PECHA KUCHA VORTRÄGE
FOTODOKUMENTATION

KEYNOTES

Prof. Dr. Pieter Desmet sprach in seiner Keynote „Design for Emotion“ über die emotionale Bindung zu (Design-)Objekten. Er betrachtete in seinem Vortrag alltägliche Objekte und deren unbewusste emotionale Konnotation. Seine Argumentation war in fünf Unter-Punkte gegliedert, wobei jeder mit Beispielen unterlegt wurde: Micro Emotions, Paradox Emotions, Layers of Emotion, Dilemma und Happiness.

Keynote: Prof. Dr. Pieter Desmet, Reflecting Research, DGTF 2016 from DGTF on Vimeo.

Prof. Dr. Anne Nigten sprach in ihrer Keynote über Co-design Labs und Networked Ecology. Hierbei gab sie zunächst einen Überblick über die Herausforderungen denen Designer/-innen in einer Networked Ecology gegenüberstehen. Anschließend stellte Anne Nigten verschiedene Designprojekte von Co-design Labs und deren Positionierung in jener Networked Ecology vor.

Keynote: Prof. Dr. Anne Nigten, Reflecting Research, DGTF 2016 from DGTF on Vimeo.


FREITAG 18. NOVEMBER

Podiumsdiskussion: Der ökonomische Irrgarten der Design-Forschung

Es entwickelte sich eine lebendige und anregende Diskussion zwischen Prof. Dr. Gesche Joost, Design Research Lab Berlin, Nancy Birkhölzer, IXDS, Thomas Edelmann, Freier Journalist, Manfred Engeser, Palmer Hargreaves, moderiert von Prof. Dr. Michael Erlhoff, HBK Braunschweig. Die Teilnehmer/-innen waren in den wesentlichen Punkten der derzeitigen Entwicklungen im internationalen Design-Business einig. Dies betraf insbesondere die Tatsache, dass aktuell viele Unternehmen zwar die grundsätzliche Forschungskompetenz des Designs anerkennen, diese aber keineswegs nutzen, sondern sich stattdessen lediglich eilige und abstrakte Ergebnisse erhoffen, um ihre Produkte besser auf dem Markt platzieren zu können, oder neue Produkte zu entwickeln. Dies schaffe, unter dem Deckmantel der Forschung, nach Ansicht der Diskutant/-innen lediglich banale Allgemeinplätze. Den Gegenpol hierzu bildet, so Ergebnis der Diskussion, die Entwicklung, dass sich viele Designforscher/-innen in einem akademischen Rahmen bewegen, in welchem sie jedoch in allgemein meta-theoretischen Ebenen lernten und durch diese Abstraktion die konkreten und praktischen Dimensionen der Designforschung aus dem Blick verlieren. Die Diskussions Teilnehmer/-innen erachteten diese aktuellen Entwicklungen als tragisch für die Designforschung, die insgesamt das Potential habe, der Forschungslandschaft die neue Qualität einer Vermittlung von Theorie und Praxis zu bieten. Einheitlich kam die Diskussion somit zu dem Fazit, dass eine intensive und kritische Diskussionskultur unabdingbar für die Designforschung sei.

Podiumsdiskussion: Der Ökonomische Irrgarten der Design-Forschung, Reflecting Research, DGTF 2016 from DGTF on Vimeo.


PARALLELVERANSTALTUNG: RESEARCH REFLECTIONS

Der Track EDUCATION AND TOOLS bot den Teilnehmer/-innen ein breites Spektrum an Vorträgen aus den Bereichen der Designlehre und stellte Methoden der Designforschung vor. Hierfür referierte zunächst Prof. Dr. Nicole Lotz von der Open University in Großbritannien über Designthinking in der Fernlehre. In ihrem Vortrag stellte sie Design Thinking at a Distance vor, welches die sozialen Mechanismen im Gebrauch von Open Data Services untersuchte. Quantitative und qualitative Daten von 317 Studierenden wurden erfasst und die Interaktion mit dem Tool und mit anderen Studierenden wurde untersucht.

Es folgte ein Beitrag von Dr. Michael Wamposzyc von der University of Portsmouth und Dr. Kamila Kuc, von der Coventry University, die das Projekt Photomediations: An Open Book vorstellte. Das Projekt wurde als eine weniger hierarchische Form der Wissensproduktion vorgestellt, welche sich von traditionellen Formen des Publizierens absetzt.

Rolle Rückwärts lautete Sebatian Bührigs (HCU Hamburg) Beitrag, in dem er die Untersuchungen seines Projektes Liftboy präsentierte. Im Rahmen des Projektes versuchte Bührig als Liftboy verkleidet das Phänomen der sich veränderten Bewohnerschaft in zwei Hochhaus Ensembles in Berlin zu erfassen. Mit seinem Beitrag bot Bührig einen Einblick in eine experimentelle Methodik der Designforschung, in dem er versuchte mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen und so das Phänomen “Gentrification” greifbarer zu machen.

Den Abschluss bildete The Design of Creative Crowdwork von Florian Alexander Schmidt (Agenda Design). In seiner gleichnamigen Doktorarbeit hatte Schmidt zuvor die historische Entwicklung und gegenwärtigen Methoden von Crowdsourcing Plattformen für die Kreativarbeit analysiert. Dieser Vortrag beleuchtete nun die wichtigsten Mechanismen, Stellschrauben und Kritikpunkte der kommerziellen Orchestrierung kreativer Design-Crowds und ordnete dies in ein übergeordnetes Schema von Plattformen für die Auslagerung von Dienstleistungen ein.

Der Track mit dem Titel SPACES AND CONSTRUCTS behandelte die Wechselwirkung zwischen (Stadt-)Raum und Design. Hierbei beschäftigten sich die Vortragenden einerseits mit dem Beitrag des Designs zur Stadtgestaltung als auch mit dem Einfluss des Designs auf formal begrenzte Räume.

Den Anfang machte Irmi Wachsendorff von der Folkwang Universität der Künste, die in ihrem Vortrag Soziale Positionierung durch skripturale Variation in sprachlichen Landschaften ihr Promotionsvorhaben vorstellte, welches den Beitrag grafischer Gestaltung und typografischer Variation zur Konstruktion und Wahrnehmung kultureller Identitäten und sozialer Positionierung durch multilinguale und multiskripturale Typografie im urbanen Raum untersucht.

Anschließend referierte Prof. Brigitte Hartwig von der HS Anhalt in Dessau unter dem Titel Aktionsforschung zwischen Stadt und Campus über das Projekt VorOrt des Fachbereichs Design an der Hochschule Anhalt. Ziel des Projektes war es, durch die Öffnung des Campus zu neuen Lehr- und Lernlösungen zu gelangen.

Dr. Nicole Oberheilig befasste sich mit Raumdesign und Erlebniswahrnehmung und diskutierte in ihrem Vortrag das Konzept Raumerlebnis und dessen Komponenten sowie schlaglichtartig bestehende Forschungsergebnisse und mögliche Perspektiven einer zukünftigen Forschung.

Den letzten Vortrag des Tracks übernahm Manuel Schröder der das “Interdisziplinäre Bauprojekt der Hochschule Anhalt” und die Studenteninitiative Unity vorstellte. Das Projekt erarbeitet weltweit Lösungen für und mit Menschen in entwicklungsschwachen Gebieten und unterstützt Communities mit Hilfe von Design, Architektur und sozialem Unternehmungsgeist.


PARALLELVERANSTALTUNG: DISKUSSIONEN UND WORKSHOPS I

Das Politische im Design

Diskussion mit: Prof. David Oswald als Moderator, Prof. Dr. Wolfang Jonas, von der HBK Braunschweig, Dr Sabine Junginger, von der Hochschule Luzern und Andreas Unteidig, vom Design Research Lab in Berlin. Thema war das Dilemma der Designer: Design befeuert die großen Probleme indem es die kleinen löst, indem es – ganz user-centered – alles bequemer und einfacher macht. Folgende Fragen wurden in der Diskussion aufgeworfen: Wie finden wir im Spannungsfeld zwischen willigen Helfern und Größenwahn einen angemessenen, aber wirkmächtigen Platz? Ist Design nur politisch in dem Sinne, dass es eine Wirkung auf die Gesellschaft hat? Wie könnte designerische Top-Down Wirkung aussehen – jenseits von Kommunikationsmaßnahmen für Parteien? Wo sind die Grenzen des Design, was akzeptieren wir als Rahmenbedingungen? Kann Design seine Veränderungsversprechen einlösen, wenn es um institutionelle Politik einen Bogen macht und "die Wirtschaft" und "den Markt" als nicht zu ändernde Rahmenbedingung akzeptiert? Wie gehen wir um mit dem Graben zwischen Designpraxis (Design als Wettbewerbsfaktor auf gesättigten Märkten) und den Design-Definitionen der Designtheorie, und -forschung (Design for Innovation, Social Change etc.)?

Brauchen wir eine organisierte Designdidaktik?

Zwei Kurzvorträge und fünf Statements, sowie Vorstellung der Podiumsteilnehmer, leiteten die von Philip Zerweck moderierte Podiumsdiskussion ein. Das heterogene Panel, sowohl aus privaten, wie staatlichen Hochschulen und Designdisziplinen aller Art, national und international, hinterließ ein differenziertes, aber einheitliches Meinungsbild, das vom mitdiskutierenden Publikum geteilt wurde. Die Teilnehmenden waren
Prof. Dr. Bärbel Kühne, Prof. Andreas Lanig, Sandra Giegler, Prof. Birgit Bauer, Prof. Jesko Fezer, Prof. Uwe Gellert, Nikolaus Knebel und Prof. Dr. June H. Park. Einerseits sahen alle die Notwendigkeit die Designlehre im Rahmen des Bolognaprozesses und weiter erwarteter Hochschulveränderungen zukunftsfähig zu gestalten und sich darüber auszutauschen. Andererseits war man sich ebenso einig, dass die Vielfalt der Designausbildungen über Teildisziplinen, Hochschularten und Ausbildungsplätze hinweg ein hohes, zu erhaltendes Gut ist. Ein klares Votum gab es also PRO eines organisierten Diskurses zur Vermittlung von Design und Kommunikation mit Interessierten außerhalb der Disziplin. Ein CONTRA gab es zu einem wie auch immer gearteten Ansinnen die Lehre selbst außerhalb der verantwortlichen Fakultäten zu organisieren.

Der Studiengang COOP Design Research

Das einjährige Programm COOP Design Research (MSc.) richtet sich an praktizierende Gestalter und versteht sich als Vorbereitung auf ein wissenschaftliches Promotionsstudium. Neben einer einführenden Vorstellung des Studiengangs ging es in der Diskussion um folgende Fragen: Was verstehen wir unter Designforschung und was ist der Unterschied zu einer gründlichen Recherche als Bestandteil von Gestaltung? Was sind erfolgreiche Formate in der Designforschung zur Generierung wissenschaftlicher, d.h. überprüfbarer Ergebnisse mit objektiver, überpersönlicher Gültigkeit? Welche Perspektiven eröffnen MSc. und /oder PhD-Abschlüsse für Designer und Architekten?

Moderation: Prof. Stephan Pinkau, HS Anhalt Dessau Podium: Dr. Regina Bittner, Stiftung Bauhaus, Prof. Dr. Joachim Krausse, HS Anhalt Dessau

Design Research - just do it? Wissenschaft in der Design-Bachelorarbeit

An der HMKW Berlin wurde, im Kontext der mangelnden wissenschaftlichkeit von Designabschlüssen, eine Modellierung der theoretischen Bachelorarbeit ausgearbeitet, die Studierende anleitet, ein bearbeitbares Forschungsdesign aufzuziehen, an das sie eine praktische Arbeit anschließen können. Diese Massnahme wurde mittels Untersuchung der E-Mail Kommunikation zwischen Studierenden und Professoren sowie der Gutachten evaluiert. Die Arbeit bildete den Ausgangspunkt der folgenden, von Prof. Dr. Jan-Henning Raff geleiteten, Diskussion. Es gab Einigkeit darüber dass Studierende ermutigt werden müssten visuelle Analysen durchzuführen. Gemeint ist hier nicht nur die visuelle Darstellung von Daten, sondern – insbesondere in der Visuellen Kommunikation – die Arbeit am Visuellen mit gestalterischen Mitteln: Sezieren, De-Konstruieren, Vergleichen. Um Studierende dazu zu befähigen sind analog der Idee des Writing Across the Curriculum Übungen in die Lehre einzubauen: Visual Analysis Across the Curriculum.

Y-Method. Erkenntnisse aus der Implementierung einer interdisziplinären Konzeptionsmethode

In diesem Workshop wurde die Y-Method von Prof. Hermann Klöckner, HS Anhalt Dessau und Prof Dieter Raffler, HS Anhalt Dessau als eine auf der systematisierten Verschränkung von frei verfügbaren Ressourcen mit "globalen" Herausforderungen basierende Methode vorgestellt. Sie emanzipiert sich dabei von der klassischen Bionik durch die Systematisierung, die umfassende Erweiterung jenseits von biologischen Ressourcen, die direkte Verschränkung mit Herausforderungen und durch die vornehmlich prozesshafte und nur sekundär morphologische Betrachtungsweise. Im Sinne des angelsächsischen "Practise-Based Research" sollten die aus der Praxis gewonnenen Erkenntnisse in diesem kompakten Workshop erlebbar gemacht werden. Die im Workshop entwickelten Inhalte wurden Teil der im Aufbau begriffenen Problem- und Resourcendatenbank werden, zu der die TeilnehmerInnen des Workshops exklusiven Zugang erhalten.

Citizen Prototyping

Nathalie Stembert, Rotterdam University of Applied Sciences (NL), Michael Anhalt, Rotterdam University of Applied Sciences (NL), Jennifer Schubert, Design Research Lab Berlin

Durch die Monopolstellung großer Unternehmen, wie Google, Cisco oder Facebook, und deren intransparenten AGB’s, gelangen Nutzerdaten in den Besitz dieser Unternehmen. Das Ziel des Workshops war es diese Problematik zu reflektieren und alternative Konzepte zu entwickeln, um Bürgerinnen und Bürger dabei zu helfen ihre »digitale Souveränität« zurückzuerlangen. Gerade Open Source Technologien bieten die Möglichkeit der Selbstadaption und Datenkontrolle. Sensorbasierte Smart Citizen Toolkits bis hin zu Prototypen der Alltagsunterstützung, legten die Basis der Diskussion. Zusätzlich dienten die bereits entwickelten Prototypen des Kurses »Urban Interaction Design« der Hochschule Rotterdam und des »Miteinander«-Projektes der TU Chemnitz als Erfahrungsbeispiele. Die betrachteten Prototypen verfolgten unterschiedliche Intentionen, wie »die Schaffung von Bewusstsein«, »die Ermöglichung von Diskurs« oder »die Behandlung eines Problems«. Diese Unterscheidung bildete die Ausgangsbasis der Gruppendiskussion zu technologischen Möglichkeiten der Datenkontrolle. Diese Unterscheidung bildete die Ausgangsbasis der Gruppendiskussion zu technologischen Möglichkeiten der Datenkontrolle seitens der Bürgerschaft, das Kreieren von neuen Problemen bei der Bearbeitung des ursprünglichen Problems oder die Beeinflussung der Auseinandersetzung bei einer Initiierung.


SAMSTAG 19. NOVEMBER

PARALLELVERANSTALTUNG: DISKUSSIONEN UND WORKSHOPS II

Perspektiven technologiegestützter Designforschung

Prof. Katja Thoring, HS Anhalt Dessau, Alexander Müller-Rakow, Design Research Lab Berlin, Prof. Dr. Roland M. Müller, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Petra Badke-Schaub, TU Delft

Der Workshop ging von der Annahme aus, dass empirische Forschungsmethoden im Design bereits seit Jahrzehnten durch technologische Geräte unterstützt werden – sowohl bei der Datenerhebung (Interviews, Experimente, Beobachtungen, etc.) als auch bei der Datenauswertung (Kodierung, Clustering, etc.). Obwohl die technologische Entwicklung im 21. Jahrhundert vielfältige innovative neue Technologien hervorbringt, hat sich die wissenschaftliche Forschung im Design hier noch nicht sehr weiterentwickelt. Der Workshop diskutierte diese Thematik auf verschiedenen Ebenen: Es wurden verschiedene Technologien und Geräte vorgestellt und Hands-On ausprobiert. Die Teilnehmer/-innen wurden dazu angeregt, die Möglichkeiten und Potenziale dieser Technologien für ihre eigenen Forschungsprojekte zu evaluieren. Es wurden aber auch Risiken und Probleme diskutiert, die sich durch ggf. mangelnde Privatsphäre und Forschungsethik allgemein ergeben.

Deconstructing Sustainable Design

Miriam Lahusen,Florian Sametinger, Design Research Lab Berlin

Im Workshop wurden die wandelnden Rollenbilder des Designpraktizierenden thematisiert und es fand ein Austausch über die Definitionen des Sustainable Designs statt. Durch Dekonstruktion (und mit Unterstützung eines Bare Conductive Boards und leitender Farbe) wurden die Standpunkte der Teilnehmer-/innen als Praktiker/-in, Theoretiker/-in, Beobachter/-in und Akteur/-in in Relation zueinander gebracht. Es entstand eine auditive "Timeline" unserer gemeinsamen, unterschiedlichen, schizophrenen oder völlig rationalen Selbstverständnisse als Designende.

Design – Prozess – Ästhetik

Klaus Schwarzfischer, INDUKT

Dieser Workshop ging von Problemen einer Präferenz-Ästhetik aus, bei der innerhalb eines Repertoires von Alternativen die attraktivste gewählt wird. Eine empirische Ästhetik ist somit ein notwendiger Bestandteil von Designtheorie. Die Integrative Ästhetik von Schwarzfischer bietet einen Ansatz, jene Auswahl zu systematisieren. Hierzu wurde ein Prozess-Modell entwickelt, das komplett auf Invarianzen (Symmetrien) basiert. Die zentrale Rolle von Symmetrien zwischen Erwartungen (Top-down-Prozesse) und Wahrnehmungen (Bottom-up-Prozesse) wird hierdurch verdeutlicht. Sowohl positive als auch negative Erfahrungen werden mit diesem einheitlichen Modell der User Experience analysierbar. Im Workshop wurde anhand von typischen Design-Prozessen die zugrundeliegende Logik des Modells und die produktive Anwendung in Heuristik, Entwurf und Fehler-Analyse demonstriert.

Entwurf design-orientierter Arbeitsweisen

Daniela Peukert, Leuphana Universität, Anna Keilbach, Technische Hochschule Ingolstadt, Andrea Augsten, Bergische Universität Wuppertal (alle Themengruppe design:transfer)

In diesem interaktiven Workshop wurde das verändernde Potential der Ansätze der Entwurfsforschung in die Arbeitsweisen von Organisationen hinterfragt. Es wurde mit haptischen Modellen gearbeitet und hinterfragt, in welcher Weise designorientierte Arbeitsweisen die Ebenen Organisation, Team und Individuum gestalten. Gemeinsam mit den Teilnehmer/-innen wurde über die relevanten Einflussfaktoren innerhalb eines haptischen Modells der Wechselwirkung reflektiert und zudem die Wirkung design-orientierter Arbeitsweisen in bestehenden Organisationen diskutiert.

Grenzüberschreitende Designforschung

Sabine Junginger, Hochschule Luzern

Der Workshop richtete sich an diejenigen Teilnehmer/-innen, die sich für neue, mensch-zentrierte gestalterische Optionen in privaten und öffentlichen Organisationen interessieren und adressierte die Grundlagen theoretischer und praktischer Kenntnisse für Designforscher/-innen. Den Teilnehmer/-innen wurden Wege aufgezeigt um sich in der Designforschung über die Grenzen der Disziplin hinaus engagieren. Basierend auf den von der Workshopleiterin entwickelten Interaktionsprinzipien "Invite–Engage–Enable" lud der Workshop die Teilnehmer/innen ein, sich mit neuen Bereichen der Designpraxis und Designforschung vertraut zu machen.

Risiko-(In)Kompetenz

Prof.Severin Wucher, HS Anhalt Dessau

Ziel dieses Workshops war es, die TeilnehmerInnen in phasenbasierten Experimenten unerwarteten Ereignissen auszusetzen – quasi in die Dis-Komfortzone geschickt. In einem kollektiven und partizipativen Prozess sollten die Studierenden Erkenntnisse gewinnen, wie Menschen dazu befähigt und motiviert werden können, unerwünschte Ereignisse nicht mehr zu meiden, sondern sogar bewusst in kauf zu nehmen, um ihre Handlungs-Spielräume zu vergrößern. Der Workshop reflektierte den Prozess individueller Entscheidungsmomente durch das gemeinsame Entwickeln von Modellen. In der Überlagerung dieser Modelle sollten unterschiedliche Risikotypen und -strategien sichtbar werden.

Designkritik zwischen Theorie und Praxis

Prof. Birgit Bauer, HTW Berlin

Auf der diesjährigen Konferenz der Design Research Society zum 50-jährigen Jubiläum trat die Frage auf, welche Erwartungen an die Designforschung bis heute unerfüllt geblieben sind. In dieser Diskussionsrunde wurde die Rolle der Kritiker/innen in dieser Fragestellung zusammen mit Designstudierenden erörtert. Eines der sicher großen Probleme der Designforschung sind fehlende verständliche Formate zur Vermittlung in die Praxis. Die Diskussion begann mit einer Bestandsaufnahme in einem gemeinsamen Schaubild: Welche Formate und Situationen der Kritik sind den Studierenden wichtig? Kritik am und im Design ist den Designstudierenden zuallererst in der Lernsituation, in der Besprechung von Entwürfen mit Lehrenden bekannt. Zeitschriften, Bücher, Plattformen und Webangebote werden mit größerer Distanz wahrgenommen; kein Profil stach heraus, nur wenige konnten überhaupt genannt werden. Diskussionen unter Peers zu führen wurde als Problem geschildert: Wie argumentiert man Formen? Fazit: „Design is dead.“ (Clive Dilnot). Die Vorstellung von Design als Praxis mit inherentem kritischen Gestus ist vorbei – die Veranstaltung bestätigte meine Vermutungen und warf viele Fragen für eine kritische Praxis und die Lehre auf.


PECHA KUCHA

Schriften aus dem Archiv der Universität der Künste Berlin
In Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter/innen des Universitätsarchivs erarbeitete im Wintersemester 2015 /16 eine Gruppe Studierender der Studiengänge „Visuelle Kommunikation“ und „Kunst und Medien“ an der UdK Berlin als Seminararbeit den Inhalt für einen 17. Band (Hg: Conrads; Morlok) mit dem Titel, „Schriften aus dem Archiv der Universität der Künste Berlin“. Prof. Franziska Morlok, FH Potsdam, Martin Conrads, UdK Berlin

Responsible Design
Die Masterarbeit „Responsible Design“ setzt sich mit dem gesellschaftskritischen Kontext von Gestaltung auseinander und erörtert in Form einer Forschungsstudie und eines praxisbezogenen Lehrkonzepts die Frage nach der sozialen Qualität in der Designlehre. Ramona Almen, Fachhochschule Münster

Resilienz und Design
Das Kollektiv Unumwunden ging davon aus, dass die Auseinandersetzung mit Resilienz im gestalterischen Kontext eine veränderte Perspektive auslöst, in der Ästhetik und Kosteneffizienz nicht länger die vorrangig erstrebenswerten Ziele darstellen. Kollektiv Unumwunden, HS München

Tabu
Die Untersuchung von Tabuthemen im Design, sowie Gegenständen in klassichen Tabuthemen - Tod Sex und Gewalt - gibt Aufschluss über die Bedeutung symboli- scher Funktionen von Gegenständen und die Wirkungsmächte von Design. Lilo Viehweg, Stiftung Bauhaus Dessau

Chrysalis Gemini
Chrysalis Gemini ist ein Designszenario für den gestalterischen Umgang mit sogenannten self-healing materials. Durch die Entwicklung eines Designszenarios, das in Bildern und prototypischen Annäherungen gefasst wurde, näherten sich die Vortragenden der Fragestellung nach neuen Materialien im Austausch mit theorethischen Betrachtungen. Alice Rzezonka, Bergische Universität Wuppertal, Agustina Andreoletti, Kunsthochschule für Medien Köln

Generating Implications for Design

Wie werden Stimuli aufgenommen um neue Design Ideen zu generieren? Der Vortrag fokussiert auf die Entwicklung von neuen Design-Methoden. Sun Ying, TU Dresden


Pecha Kucha Vorträge, Reflecting Research, DGTF 2016 from DGTF on Vimeo.



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