Dokumentation der 10. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)

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DIE POLITIK DER MAKER

Die gesellschaftliche Bedeutung neuer Möglichkeiten des Produzierens von Design
Jahrestagung der DGTF 2013
22./23. November 2013, HFBK Hamburg

PROGRAMM

In Vorträgen, moderierten Panels und Workshops ergründeten die Anwesenden die Hintergründe der „Maker Culture“. Es ging darum die neuen Möglichkeiten des Produzierens von Design vorzustellen, theoretisch zu beschreiben und kritisch zu reflektieren.
Wohin zielen die Ansätze? Sind die Diskussionen darüber Schattengefechte einer Totalisierung des Marktes? Ist D.I.Y. emanzipativ? Und überhaupt: Kann man die bessere Welt 3D drucken?
Hier finden Sie alle Vorträge der Keynotes, der unterschiedlichen Themenschwerpunkte sowie eine ausführliche Fotodokumentation

SCHWERPUNKT: ZUR MAKER-POLITIK EINER BESSEREN WELT
SCHWERPUNKT: ZUR GESELLSCHAFTLICHEN POSITIONIERUNG DER MAKER
SCHWERPUNKT: ZUR REPRÄSENTATION UND WIRKUNG DER MAKER
SCHWERPUNKT: ZUR VERORTUNG DER MAKER

KEYNOTES

Andreas Reckwitz beschreibt Kreativität als gesellschaftlichen Imperativ. Sein kritischer Ausgangspunkt lautet: Warum ist es heute eigentlich undenkbar „nicht kreativ sein zu wollen“? Der Vortrag gibt Hinweise auf die Hintergründe und Ursachen einer Entwicklung, die Reckwitz „Kreativitätsdispositiv“ nennt. Im Zuge der Aufwertung der Creative Industries beschreibt er Design als „Generalprinzip der gesellschaftlichen Ästhetisierung“. Er wirft die Frage auf: Wie kann eine ästhetische Praxis außerhalb des vorherrschenden „Kreativitätsdispositivs“ aussehen?

Andreas Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität – Zur Analyse des Kreativitätsdispositivs from DGTF on Vimeo.


In ihrem Vortrag diskutiert Stefanie Lohaus politische und feministische Dimensionen der DIY- und Handmade-Bewegung. Im Zentrum sieht Sie die Weitergabe und Aufwertung von spezifisch weiblichen Fertigkeiten. Sie beschreibt, wie Handarbeit in Strick- und Bastelgruppen zum gemeinschaftsbildenden Element wird, und dabei bisher abgewertete Tätigkeiten mit Coolness aufgeladen werden. Wird in der Maker Szene demnach an einer besseren Welt gehäkelt? Stefanie Lohaus bleibt skeptisch: Als Kapitalismuskritik taugt DIY ihrer Ansicht nach kaum.

Stefanie Lohaus: Die neue Handmade-Industrie zwischen Selbstermächtigung und -ausbeutung from DGTF on Vimeo.


In seinem Vortrag verortet Nils Boieng die Maker Culture als städtisches Phänomen. Seiner Beobachtung nach sind Städte die Orte, an denen sich die Maker-Bewegung verdichtet. Das eigentlich Bemerkenswerte sieht er in der „Community Fabrication“, der gemeinschaftlichen Nutzung neuer technischen Verfahren in FabLabs. Seiner Meinung nach findet hier, gegenüber der herkömmlichen Produktion, eine neue Art der bedürfnisorientierten Aneignung von Städten statt.

Nils Boing: Community Fabrication – Die Rückkehr der Produktion in die Stadt from DGTF on Vimeo.



SCHWERPUNKT: ZUR MAKER-POLITIK EINER BESSEREN WELT


Nach Martin Gessmann reiht sich die Vorstellung, mit Hilfe von neuen Produktionstechniken zu einer besseren Welt zu kommen, in eine lange Tradition ein. Gessman sieht in der Maker Bewegung weniger die Einleitung einer „dritten industriellen Revolution“ als vielmehr den Einstieg in eine neue Schaffens-Kultur innerhalb des Industriezeitalters. Die weiterführende Frage seines Vortrags lautet vor diesem Hintergrund: Wie kann das Wesen von Technik und Produktion neu gedacht werden?

Martin Gessmann: Kann man die bessere Welt 3D drucken? from DGTF on Vimeo.


Die teilnehmende Bobachtung von „Maker Fairs“ bilden den Ausgangspunkt des Vortrags von Florian Alexander Schmidt. Er hebt dabei den heterogenen, amateurhaften und spielerischen Charakter dieser Veranstaltung hervor. Er beschreibt, wie das Arbeiten an und mit den 3D Druckern oft wichtiger ist als das tatsächliche Produktionsergebnis selbst. Ausgehend von seinen Beobachtungen stellt er die Frage: Ist reparieren und basteln „an sich“ wirklich schon ein revolutionärer Akt in unserer Konsum-, Wachstums- und Wegwerfgesellschaft? Oder fördert das Basteln einfach den Rückzug ins Private?

Florian Alexander Schmidt: Das Gefühl von Kontrolle – Die Revolution wird nicht 3D gedruckt from DGTF on Vimeo.


Florian Walzel stellt die Frage, worin das explizit Politische am Selbermachen bestehe. Er unternimmt eine historische Begriffs-Herleitung des Selbermachens und seiner Beziehung zum Politischen. Er macht den Vorschlag, das Politische der Maker Bewegung an folgender Stelle zu suchen: In der Einübung von deviantem Verhalten und der Anerkennen von Diversität.

Florian Walzel: Was ist politisch am Selbermachen? from DGTF on Vimeo.


SCHWERPUNKT: ZUR GESELLSCHAFTLICHEN POSITIONIERUNG DER MAKER


In seinem Vortrag spricht Bastian Lange über das Zeitmanagement im Low-Tech-Segment der Maker Community. Er sieht das Besondere der Szene in ihren langsamen und offenen Such- und Anwendungsprozessen. Eine zentrale Frage dabei ist: Mit welchem Zeitmanagement gelingt es dieser Makerkultur, Langsamkeit als wertbildendende Ressource und nicht als nachteiligen Kostenfaktor zu verhandeln?

Bastian Lange: Makertimes – Was ist von den neuen Makers wann zu erwarten? from DGTF on Vimeo.


Tanja Herdt nimmt in ihrem Vortrag eine historische Perspektive auf die Kultur der Maker ein. Anhand des Beispiels des Inter-Action Centers von Cedric Price in London – das erste Community-Arts Center Europas – untersuchte sie, was genau die Kultur des selber Machens definiert und welche Rolle die Verwendung von Informationstechnologien in der D.I.Y. Kultur spielt.

Tanja Herdt: „Sehnsucht nach Selbstbestimmung.“ Die Technologisierung der Gesellschaft und die D.I.Y. Kultur der 1970er from DGTF on Vimeo.


Die Maker Culture solle nicht als Gegenkultur im Sinne des revolutionären Umschlags verstanden werden, sondern als Teil der aktuellen gesellschaftlichen Struktur, in der diese eine spezifische Funktion übernehme. Sandra Groll fragt in ihren Überlegungen: Welche funktionale Leistung übernimmt die Semantik der Maker in diesem Zusammenhang?


SCHWERPUNKT: ZUR REPRÄSENTATION UND WIRKUNG DER MAKER


Ist die Maker-Bewegung ein Ausdruck der Entfremdung von Individuum und Markt, oder nur eine Hoffnung auf marktkompatible Innovation durch Amateure? Ist der Rückzug ins Selber-Machen eine politische Geste oder eine Übersprungshandlung für wirkliche politische Teilhabe? Diese und weitere Fragen thematisiert Laura Popplow und diskutiert anhand von Projektbeispielen, wo Ansätze eines kritischen gestalterischen Denkens auch zu einer kritischen Ästhetik führen.

Laura Popplow: Weltgestalter und Universaldilettanten – Über die politische Ästhetik und Anästhetik von Open Design from DGTF on Vimeo.


Thilo Schwer stellt Ergebnisse aus seiner Arbeit zur Bildlichen Repräsentanz der Maker-Kultur im Web 2.0 vor. Auf Basis einer qualitativen Analyse von Darstellungen der Maker Kultur im Internet diskutiert er folgende Fragen: Wie lässt sich das Feld strukturieren? Welche Sinndimensionen und ästhetische Ansatzpunkte lassen sich daraus ableiten?

Thilo Schwer: Sinngestaltung zwischen Hightech, Gebastel und Improvisation from DGTF on Vimeo.


Die Vortagende vertritt die These, dass die D.I.Y Kulturen nur dann emanzipativ wirke, wenn sie über die Re-Konfiguration bestehender Technologien und die Fortentwicklung aktueller Techniken hinausgehe. Um der gesellschaftlich transformativen Kraft des Maker Movements auf die Spur zu kommen, verweist Heidrun Allert auf die Lerntheorien der „Distributed Cognition“ und des „Organisationalen Lernens“. Ihr Vortrag dreht sich um die Frage: Wie können (Lern-) Situationen geschaffen werden, in denen die Lernziele, Werte und zugrundeliegende Annahmen transformiert und nicht nur reproduziert werden?

Heidrun Allert: Rekonstruktiv oder Transformativ? from DGTF on Vimeo.


SCHWERPUNKT: ZUR VERORTUNG DER MAKER


Die Makerkultur überführt, gesellschaftlich und politische Fragestellungen in einfache Selbsterfahrungsprodukte, so die These von Gerhard Buurman. Sein Ausgangspunkt ist die Szene die er „Money Maker“ nennt. Damit meint er jene Gruppe, die neue, kreative Umgangsformen mit Geld erprobt. Es geht ihm dabei um die Gestaltungsfragen hinter den Verhältnissen die das Geld als stoffliches, symbolisches und kommunikatives Phänomen darstellt. Was können wir daraus über die Verbindlichkeiten unseres Gemeinwesens und unsere Vertrauenskultur lernen?

Gerhard M. Buurman: Homo Faber oder Spielarten des Ökonomischen from DGTF on Vimeo.


Eine neue Generation von D.I.Y.-Aktivisten/-innen nutzt die postfordistische Stadt als Labor für soziale, politische, ökologische und ästhetische Experimente, so die These von Andrea Baier. Sie gibt eine breite zeitdiagnostische Einordnung der vielen Spielarten von DIY/DIT. Sie plädiert dafür, die im Singular formulierte „Politik der Maker“ zu pluralisieren und die Vielzahl der verschiedenen Makermilieus wahrzunehmen.

Andrea Baier: Die Stadt der Commonisten – Neue Räume des DIY/DIT from DGTF on Vimeo.


We-Traders - Tausche Krise gegen Stadt“ ist der Name einer Plattform und einer Initiative, die Künstler/-innen, Designer/-innen, Aktivisten/-innen im europäischen Kontexten vernetzt. Rose Epple zeigt in ihrem Fallbeispiel, wie dabei Beziehungen zwischen Wert, Profit und Gemeinwohl in DIY Formaten neu verhandelt werden können. Ihr geht es dabei um selbstgestaltete Handlungsmöglichkeiten in urbanen Krisen, sei es ökonomischer, sozialer oder ökologischer Art.

Rose Epple: Urban Makers – Meet the We-Traders from DGTF on Vimeo.


FOTODOKUMENTATION:


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