DGTF-Tagung 2007: Dokumentation
Gemeinsinn – Common Sense – Sens Commun
5. Tagung der DGTF am 22. und 23. Juni in Köln
Im Rahmen von RHEINDESIGN / zu Gast bei der »Köln International School of Design«, KISD

Kommt heute die Sprache auf den Gemeinsinn, dann entflammen schnell kleine Lagerfeuer des Entzückens an vergangene, vermeintlich gute Zeiten, und romantische Bilder von Politik und Gesellschaft steigen wärmend auf. Es scheint common sense, dass wir gegenwärtig auf diesem Globus nichts mehr entbehren als einen neuen Sinn für den Gemeinsinn. Der Unterschied ist fein und deutlich: als ein Sinn, der als allen gemeinsam vorausgesetzt werden muss, um zu wirken, ist der Gemeinsinn aufs Streitbarste mit der Urteilskraft des Einzelnen verbunden; während der common sense, gemeinhin als gesunder Menschenverstand bekannt, eine gesellschaftliche Übereinkunft postuliert, die in der Zeit ihrer Entstehung eine bürgerliche war und für eine Weile in der Watte des Konsens sich einrichten konnte. Neuerdings wird allerlei Watte woanders billiger produziert, man jammert gerne über deren mangelnde Qualität oder die Bedingungen der Produktion, aber es ist längst nicht mehr der Bürger, der wählt, sondern der Konsument.

Design nun ist in die globale Zirkulation der Watte ebenso verstrickt wie in die Widersprüche des Gemeinsinns. Im kontinuierlichen und auch choc-haften Prozess von Transformation arbeitet Design an der Herstellung von Gemeinsinn. Denn dieser ist nicht, er wird: er will ständig neu gestaltet werden und bringt dafür Objekte ins Spiel, auf die er sich zuvor geeinigt hat. Und dort, wo Transformation ins Stocken gerät und die Verhältnisse nicht mehr genügen wollen, interveniert Design kontrafaktisch und bringt die Transformation wieder in Fluss. Als pragmatischer Einspruch gegen das, was ist (und nicht läuft), steht Design in der Tradition der Skeptiker gegen jedweden Konsens, der über die Dauer seiner eigenen Rede hinausweisen will.

Wenn sich nun in den Zwischenräumen und virtuellen Falten sich selbst entpflichteter Gesellschaften ein neuer Sinn für Gemeinsinn regt, dann könnte es relevant sein, ebendieses Vermögen des Design zum Prozessieren temporärer Vereinbarungen, durch die Nutzen und Nutzung erst realisierbar werden – und je nach Relation durchaus different, aber mit einem hinreichend konsistenten Kern der Verständigung –, also dann könnte es relevant sein, die Produktion von Gemeinsinn, von sens commun und common sense als Voraussetzung, Aufgabe, Herausforderung und Widerspruch von Design neu zu untersuchen.

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