Rolle Rückwärts
GEGENSTAND
„Wohnmaschinen“ der 1960er und 70er Jahre rücken aktuell in den Fokus derjenigen, die in der Theorie rund um das Thema Gentrifizierung „Pioniere“ genannt werden. In die „Platte“ zu ziehen wird aktuell (unter anderem) in Berlin zunehmend attraktiv. Eine Entwicklung die viele Wohnrealitäten angeht und noch angehen wird. Die sozialräumliche Segregation auf dem Wohnungsmarkt könnte sich dadurch weiter verschärfen. Anderseits werden aber auch neue Perspektiven in Hinblick auf zukünftiges Wohnen und den Umgang mit den riesigen Beständen an Großwohnsiedlungen eröffnet.

Exemplarisch untersucht werden zwei Wohnhochhäuser-Ensemble: Das Quartier am Mehringplatz (Berlin-Kreuzberg) und der Komplex Leipziger Straße (Berlin-Mitte), die sich räumlich, in ihrem aktuellen baulichen Zustand (unsaniert/teilweise „High-End“ saniert) als auch in ihrem Entstehungskontext politisch-ideologisch (West/Ost-Berlin) kontrastierend gegenüberstehen.

EXPERIMENTELLE FORSCHERROLLE /

Ins Gespräch kommen!
Will man etwas über die Häuser, das Viele und die Bewohner erfahren und schaut dazu in die Zeitung oder das Internet, liest man dort vor allem von sozialen Problemen und Drogen, neuerdings auch von drohender Aufwertung und Veränderung. Sebastian Bührig befragt deshalb lieber die Experten - die Menschen, die vor Ort leben.

Als Ort der Zusammenkunft wählte Bührig den halb offenen, halb privaten Raum des Aufzugs. Hier kommen vom ersten bis zu obersten Stockwerk alle Bewohner früher oder später hindurch. Um Eindrücke und Geschichten aus möglichst vielen Lebenswelten von Bewohnern zu gewinnen, „arbeitete“ Rührig eigeninitiativ als Liftboy (in Uniform aus dem Grand Hotel Adlon) in den Aufzügen der Wohnhäuser.

Ein Beispiel für eine experimentelle Methode qualitativer Feldforschung, die situativ anhand des Forschungsmotives entwickelt wurde. Mit der Rolle in Uniform unterstrich Sebastian Bührig seine Anwesenheit dick mit bunter Farbe.
Er informierte dabei die Bewohner darüber, dass es sich um ein Experiment handelte. Aktuell forscht Bührig verstärkt in dem zweiten Untersuchungsgebiet in der Leipziger Straße. Hier wählte er statt des Liftboys die Rolle des Hausmeister(-Assistenten).

Das Projekt wurde auf der DGTF Jahrestagung 2016 im Rahmen des Kurzvortrages Rolle Rückwärts von Sebastian Bührig vorgestellt.

Sebastian Bührig ist Doktorand an den Lehrstühlen für Urban Design und Stadt- und Regionalsoziologie der HCU Hamburg. Er forscht am Lehrstuhl für Urban Design an der HCU Hamburg und war Dozent an der KISD Köln, der Università IUAV di Venezia, der Istanbul Technical University und der Berner Fachhochschule BFH.




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