SECHS. Integrales Entwerfen. 14 Projekte für Berlin
Fragestellung:
Im Architekturentwurf treffen vielfältige Überlegungen zusammen, müssen integriert gedacht und schließlich gegeneinander gewichtet werden. Ein essentielles Problem der Entwurfslehre in der Architektur ist die Vermittlung (der Handhabung) dieses komplexen Prozesses, der sich zwar einerseits auf rationale Überlegungen stützt, aber zugleich wesentlich auf intuitiven Fähigkeiten aufbaut und von diesen gesteuert wird. Nur aus dieser integrierten Verzahnung und Überlagerung kann eine qualitätvolle individuelle Lösung einer komplexen Gestaltungsaufgabe, wie sie ein Architekturentwurf darstellt, gelingen. Dieser Prozess ist nicht in allen seinen Facetten erfassbar, aber kann sehr wohl nachvollziehbaren Kriterien unterworfen werden; auch intuitive Entscheidungen sind anhand ihrer Resultate diskutier- und bewertbar. Intuitive Fähigkeiten werden über Vorgänge des zielgerichteten Austestens und Hinterfragens (oder Selbstbefragens) geschult; insofern ist Entwerfen als intuitiver Kreationsprozess auch erlernbar. In der Hochschullehre geschieht dies meist implizit im Rahmen der Bearbeitung architektonischer Entwurfsprojekte – in einem Learning-by-doing, ohne dass auf einer Meta-Ebene die Methode explizit thematisiert wird. Methode wird mitgelehrt, ohne direktes Thema der Auseinandersetzung zu sein.

Studienprojekt:
Das Studienprojekt SECHS – Integrales Entwerfen an der TU Berlin stellt die Explizit-Machung methodischer Arbeitsschritte und deren vergleichende Diskussion anhand thematisch verschiedener Entwurfsprojekte in den Mittelpunkt der Lehrveranstaltung. 14 thematisch unterschiedliche Projekte, denen aus der Aufgabenstellung nur der großräumliche lokale Kontext (hier: die Stadt Berlin) gemeinsam ist, wurden von den Studierenden im gleichen methodischen Vorgehen bearbeitet. Der Entwurf wird dabei – wie im Titel indiziert – in sechs einzelne, benennbare Arbeitsphasen gegliedert, die somit nicht in einem mystischen Gesamten (‚Entwurf’) aufgehen, sondern jeweils einzelne Aspekte thematisieren, die herausgelöst und konkret diskutiert werden können – und zwar im Vergleich der verschiedenen Projekte. So spielt neben der vertikalen Bezugnahme des Entwurfsschritts zum Gesamtentwurf (d.h. die Bedeutung einzelner Entscheidungen im Kontext des Projekts) vor allem der Bezug der Vorgehensweisen untereinander (d.h. die Bandbreite verschiedener Lösungsmöglichkeiten im einzelnen Entwurfsschritt) – im horizontalen Vergleich – die zentrale Rolle in der Diskussion der Projekte.

Methode – Entmystifizierung des Entwurfsprozesses:
Bei diesem Vorgehen steht weniger die spezifische Entwurfsmethodik im Mittelpunkt, sondern die gezielte Diskussion innerhalb des durch die Methode gesteckten Rahmens einzelner Entwurfsschritte. So werden trotz des übergeordneten Gedankens der Integration, die dem Entwurfsprozess eigen ist, die einzelnen Aspekte durch ihre Freistellung deutlicher sicht-, benenn- und verhandelbar. Mittels der Bildung eines gemeinsamen Vokabulars wird die Grundlage für einen (Fach-)Diskurs gelegt, der es den Teilnehmer ermöglicht, über das zu sprechen, was sie tun, wenn sie entwerfen. Dieser Diskurs dient dazu, die Undurchschaubarkeit von Entwurfsentscheidungen zu überwinden, indem sie diese benennt und explizit (wenn auch nicht objektiv, sondern in der gemeinsamen Verhandlung) bewertet, warum bestimmte Entscheidungen in einem Entwurfskontext (im Rahmen der selbstgestellten Aufgabe) die besseren oder schlechteren sind. Dieses Vorgehen schließt auch und gerade intuitive Entscheidungen ein, die auf ihre Tragfähigkeit innerhalb der individuell durch
die Autoren genannten Gründe bzw. Ziele anhand der Frage bewertet werden, wie gut die Projektvorschläge diese Ziele erreichen. Das kreative Potential intuitiver Entscheidungen wird nicht unterbunden, sondern gerade durch Vergleich, Nachvollziehbarmachung und Reflexion erschlossen. Es findet also eine Annäherung an diese sonst oft mystischen Prozesse statt, und sie werden über ihre Verhandlung in ihren Resultaten begreifbar, explizit benennbar und im Kontext des Projekts bewertbar gemacht.

Das Projekt wurde von Oliver Sachse und Guido Neubeck an der Technische Universität Berlin
Fakultät VI Planen Bauen Umwelt - Institut für Architektur durchgeführt.

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