Neighborhood Labs
Abstract:
‚Neighborhood Labs‘ ist ein seit zwei Jahren laufendes Designforschungsprojekt, welches auf die Interdependenzen des Designs mit Ideen der soziale Nachhaltigkeit fokussiert. Wir stellen die Hypothese auf, dass wir Rahmenbedingungen zur kollaborativen Gestaltung und Verbesserung des sozialen Gefüges schaffen können, um somit aktiv eine Nachbarschaft zu unterstützen. Handlungsbefähigende Inklusion von BürgerInnen in politische und soziale
Entscheidungs- und Wandlungsprozesse in der Nachbarschaft, verstehen wir hierbei als ein vielversprechendes Vehikel, um die sozialen und kommunikativen Strukturen in der Nachbarschaft nachhaltig zu verbessern: die Schaffung von Umständen, welche eine kollektive Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme (i.S. von Autorschaft) begünstigt, schafft verbindliche Öffentlichkeiten.

Ziel:
Ziel ist es eine Infrastruktur mit virtuellen als auch physischen Schnittstellen iterativ wie auch partizipativ zu entwickeln. Es soll einem möglichst breitem Schnitt nachbarschaftlicher Akteure erlaubt werden, Frage- und Problemstellungen von kollektivem Interesse zu identifizieren und zu bearbeiten. Diese kollektiven Handlungsräume bilden sich, so die Hypothese, positiv in der sozialen Struktur der Nachbarschaft ab.

Fragestellung:
Wie kann Design als infrastrukturelle Instanz gemeinsam mit einer Nachbarschaft Werkzeuge zur Handlungsbemächtigung entwickeln? Wie wirkt sich die Erweiterung des kollektiven Handlungshorizonts auf das soziale Gefüge der Nachbarschaft aus? Wie kann ein nachhaltiges, selbsttragendes System zum Austausch von Wissen entstehen, das durch seine Akteure (mit-)getragen wird? Welche Interfaces erlauben die Partizipation von möglichst
breiten Bevölkerungsanteilen? Wie kann die Kluft zwischen digitalen und analogen Schnittstellen mit designerischen Mitteln überwunden werden?

Methodik:
Das Projekt ist nach dem ‚Research-Through-Design‘-Ansatz konzipiert und wird durch vorwiegend qualitative Forschungsmethoden wie etwa semi-strukturierte Interviews, teilnehmende Beobachtung, Workshops und experimentelle Interventionen unterstützt. Wir sehen uns in der Tradition des skandinavischen ‚Participatory Design‘, das eine deutlich politische Ausrichtung verfolgt und sich auf die kritische Auseinandersetzung und den offenen Verlauf des iterativen Gestaltungsprozesses bezieht, wobei wir die Teilnehmer nicht nur als Designer, sondern teils auch als Forscher mit einbeziehen.

Neighborhood Lab:
Der Aufbau eines konstanten Forschungsumfeldes mit den teilnehmenden Gruppen und Einzelpersonen wurde durch regelmäßige, partizipative Workshops und die Präsenz unserer Forschergruppe vor Ort sowie die Einbindung der Nachbarschaftsakteure in unser Lab, verstetigt. Obwohl keine allgemeingültige Definition besteht, werden ‚Living Labs‘ grundsätzlich als Forschungsumgebung beschrieben, die reale Lebenssituationen abbilden. Dies soll den intensiven Austausch zwischen ForscherInnen und BewohnerInnen antreiben, ohne die Beteiligten in eine sterile Laborumgebung versetzen zu müssen. Viele bestehende ‚Living Labs‘ bauen dafür eigens Labore auf, die oftmals eine reale Lebensumgebung kopieren (z.B. das Fraunhofer ‚Urban Living Lab‘ Duisburg), um genauer auf Nutzeransprüche
reagieren zu können. Mit ‚Neighborhood Labs‘ schlagen wir einen alternativen Ansatz vor, der die Integration bestehender aktiver Gruppen und deren eigene Räumlichkeiten, sowie virtuelle, aber auch physische Interventionen in der gesamten Nachbarschaft einschliessen, um die TeilnehmerInnen nicht in einem artifiziellen Umfeld, sondern in ihrer vertrauten Umgebung in die Forschung einzubeziehen. Damit weichen wir von der Grunddefinition ab und setzen den Fokus nicht primär auf die Entwicklung und Evaluation neuer (technologischer) Innovationen, sondern auf die grundsätzliche Erforschung der Lebenswelt und die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen. So werden Frage- und Problemstellungen auch von den TeilnehmerInnen, sozusagen ‚bottom-up‘, in die Forschung eingebracht.

Das Projekt wird von Florian Sametinger, Jennifer Schubert und Andreas Unteidig am Design Research Lab der UdK Berlin durchgeführt und von Prof. Dr, Gesche Joost betreut.

http://www.neighborhood-labs.org/

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