widerspenstige drucksachen - störung diagrammatik in der digitalen typografie 1985 - 1995
Die Typografie sieht sich im zwanzigsten Jahrhundert mit einer paradoxen Anforderung konfrontiert: Gut ist sie genau dann, wenn sie unbemerkt bleibt und transparent den Blick auf nackten Inhalt freigibt. Jede Form von Störung muss in diesem Kontext negativ sein, da sie dem medialen Entkleidungsprozess ins Handwerk pfuscht. Widerspenstige Drucksachen untersucht Magazine aus der ersten Welle des Desktop-Publishings, die bewusst mit diesem Dogma der Transparenz brechen, und zeigt, wie Störung hier als semantisch produktive Größe eingesetzt wird.
Emigre, FUSE, Ray Gun, Frontpage und Form + Zweck stehen dabei nicht einfach für sich, sondern werden als Knotenpunkte materiell-diskursiver Netzwerke beleuchtet, in denen Derrida-Lektüren genauso ihren Platz haben wie Nadeldrucker. Ausgangspunkt bei dieser Untersuchung ist dabei immer die Überwindung der in allen Verpackungsmetaphern eingelassenen Innen/Außen-Dichotomie zugunsten eines Schriftverständnisses, das weder Typografie oder Materialität noch die diagrammatische Bildlichkeit der Schrift marginalisiert.
Methode, Fragestellung, Ergebnisse

Die Arbeit vereint peircesche Semiotik mit kulturwissenschaftlichen Methoden und Ansätzen des New Materialism. Mit dieser Mischung lässt sich materielle Kulturwissenschaft betreiben, in der Artefakte nicht isoliert, sondern als Teil von materiell-diskursiven Netzwerken betrachtet werden. Gestaltung wird so gleichermaßen zum Produkt theoretischer Umbrüche wie neuer Hardware – Papierformaten wird genauso Agency eingeräumt wie den Buchstaben die sie tragen.

Vor diesem theoretischen Hintergrund wird die Frage gestellt welche Rolle Störung – traditionell eine negativ besetzte Größe in der Gestaltung – für das Editorial Design der Achtziger und Neunziger einnimmt.
Hier zeigt sich tatsächlich eine Tendenz die eigene Design-Situation sowohl medial, diskursiv wie materiell mit Mitteln der Störung sichtbar zu machen. Diese Störungsmomente haben allerdings keinen Bestand, sondern nutzen sich in ihrer Iteration zwingenderweise ab und lassen transparente Stilmittel zurück, was eine zunehmende Erschöpfung der Störungs-Thematik Mitte der Neunziger erklärt.

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