Raumdesign und Erlebniswahrnehmung
Im Rahmen der Forschungsarbeit „Das gebaute Museumserlebnis. Erlebniswirksame Architektur als strategische Schnittstelle für Museumsmarken.“ betrachtete Dr. Nadine Ober-Heilig die Möglichkeit einer strategischen Umsetzung von Erlebniskonzepten in Museen und wie Architektur als eine wesentliche Schnittstelle der Erlebnisvermittlung zur Erlebniswirkung des gesamten Museums beitragen kann. Theoretisch verknüpft sind diese Überlegungen mit dem Konzept der Markenbildung. Die kommunikative Wirkung einer Marke hilft demnach, Erlebniskonzepte strategisch auszurichten und zu kommunizieren. Architektur, in ihrer identitätsgebenden Funktion sowie als nach außen stets präsentes Medium, spielt hierbei eine wesentliche Rolle.
Die der Arbeit zugrunde liegende Untersuchung umfasste zwei Schwerpunkte: erstens die Entwicklung eines Konstrukts, das Erlebniswirkung für eine strategische Gestaltung beschreibbar und messbar macht und auf dessen Grundlage die Relevanz von Erlebnissen auf wichtige Museumsziele untersucht werden konnte. Zweitens, die Ermittlung von erlebnisbewussten Gestaltungsprinzipien für Museumsarchitektur, um zu ermitteln wie eine erlebnisbewusste Architektur zur Erlebniswirkung des Museums insgesamt beitragen kann. Für die Untersuchung wurde ein Experiment, basierend auf mehreren Computersimulationen, entwickelt. Die Simulationen enthielten dabei vier verschiedene Kombinationen aus erlebnisbewusster bzw. nicht-erlebnisbewusster Architektur und einem erlebnisbewussten bzw. nicht-erlebnisbewussten Ausstellungsdesign und wurden von jeweils unabhängigen Versuchspersonen beurteilt.
Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigten dabei zunächst ein Konstrukt der Erlebniswirkung, das sowohl eine qualitative als auch eine strukturelle Komponente umfasst. Ferner wurde eine Beeinflussung der Zielvariablen Bindungsverhalten, Preisbereitschaft und finanzieller Unterstützungsbereitschaft durch die Erlebniswirkung des Museums festgestellt. Bezüglich der Architektur ergab sich, dass eine erlebnisbewusste Architektur unabhängig von der Form des Ausstellungsdesigns eine stärkere Erlebniswirkung des gesamten Museums hervorruft als eine nicht-erlebnisbewusste. In Bezug auf die Erlebniskomponenten gilt dies vor allem für die strukturelle Erlebniskomponente. Bei der qualitativen Komponente zeigt sich dagegen, dass eine erlebnisbewusste Architektur vor allem bei einem nicht-erlebnisbewussten Ausstellungsdesign zur Erlebniswirkung des Museum insgesamt beiträgt.
Daraus ergibt sich eine besondere Relevanz einer erlebnisbewussten Architekturgestaltung für Museen, die selbst dann in der Lage ist, zu einem Besuchserlebnis beizutragen, wenn eine erlebnisreiche Inszenierung des Ausstellungsdesign (z. B. aus Kostengründen) nicht möglich ist. Bei einem wechselnden Aufbau von Ausstellungsthemen und Gestaltungen bietet die Architektur somit die Möglichkeit einer konsistenten Verkörperung und Kommunikation von erlebnisspezifischen Markenwerten.

Das Projekt wurde von Dr. Nadine Ober-Heilig im Rahmen eines Kurzvortrages auf der DGTF Jahrestagung 2016 vorgestellt.

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