CfP: Inklusiv-mediale Bildung und Fortbildung – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme. Bis 30.09.2018
In dem vor wenigen Jahren vorgelegten „Onlife Manifesto“ konstatieren Wissenschaftler*innen rund um Luciano Floridi (2015): „The ever-increasing pervasiveness of ICTs shakes established reference frame- works through the following transformations:
I. the blurring of the distinction between reality and virtuality;
II. the blurring of the distinctions between human, machine and nature;
III. the reversal from information scarcity to information abundance; and
IV. the shift from the primacy of entities to the primacy of interactions.“
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden wir uns inmitten eines tiefgreifenden strukturellen Umbruchs von der überkommenen Industrie- hin zur heraufziehenden Netzwerkgesellschaft (Castells 2001). Damit gehen, bedingt durch wirkmächtige Innovationsvektoren und Modernisierungsdynamiken, hoch kom- plexe Veränderungsprozesse in allen Lebensbereichen und Handlungsfeldern einher.
In sozialen Netzwerken haben sich Interaktionsformen herausgebildet, die sich durch multidirektionale Kanäle, dezentrale Strukturen und geografisch offene Nutzerkreise auszeichnen. Die Menschen in der Netzwerkgesellschaft agieren nicht mehr allein als Konsument*innen, sondern vielmehr auch als Pro- duzent*innen von Medieninhalten und Gesprächsbeiträgen, die vielfach (mit-)geteilt werden (Sharing). Mithin avancieren sie zu sogenannten ‚Prosument*innen‘ (Wortneuschöpfung aus ‚Produktion‘ und ‚Konsumtion‘) mit eigenen Medienkulturen (Abresch et al. 2009). Mitunter hat sich dafür der Begriff ‚si- tuiert-adaptive Mediennutzung‘ etabliert.

Mediatisierung und Inklusion

Zweifelsohne markiert die Mediatisierung eine gravierende Zäsur in der Menschheitsgeschichte, die maßgeblich Leben, Aufwachsen, Lernen und Arbeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsen prägt. Davon ist Gesellschaft im Allgemeinen und Bildung im Besonderen betroffen. Mithin sind sowohl Chan- cen als auch Risiken des Lebens in der expandierenden „Infosphere“ (Floridi 2015) einander gegenüber zu stellen. Schon seit geraumer Zeit lässt sich beobachten, dass viele im Bildungs- und Schulsystem Handelnde, Betroffene und Verantwortliche – in mehrfacher Hinsicht – mit dem Imperativ, sich in einer sukzessiv medial dominierten Welt zurecht finden zu müssen (Kultusministerkonferenz 2016), überfordert sind.
Nicht viel anders fällt der Befund in der Causa ‚inklusive Bildung‘ aus, seitdem die UN-Behinderten- rechtskonvention konkret angewendet werden muss (Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen 2017). Durch das Gesetz von 2008 zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen aus 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat sich Deutschland zur Umsetzung einer inklusiven Bildungslandschaft – auf allen Ebenen – verpflichtet (Kultusminister-
konferenz 2011). „Für die Länder folgt daraus die Aufgabe, für alle Heranwachsenden ein inklusives Schulsystem zu ermöglichen.“ (Scholz 2016) Dabei liegt es nahe, ein breites Inklusionsverständnis zu proklamieren, das über die recht unterschiedlich gehandhabten offiziellen sonderpädagogischen För- derbedarfe (Klemm 2015) hinaus mannigfaltige Formen von Heterogenität (wie Behinderung, Migration, Geschlecht, Alter, Sprache, sexuelle Orientierung, soziale Schicht oder soziokultureller Hintergrund) antizipiert (Hinz 2002).
Die European Agency for Special Needs and Inclusive Education (2013, 2015) streicht die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für die Umsetzung inklusiver Lehr-/ Lern-Set- tings heraus. UNESCO Institute for Information Technologies in Education und European Agency for Development in Special Needs Education (2011) identifizieren vier Funktionen von IKT im schulischen Kontext:
• Unterstützung von Teilhabemöglichkeiten durch den Zugang zu digitalen Medien,
• Unterstützung von Lehr- und Lernsituationen,
• Unterstützung bildungsadministrativer Prozesse sowie
• Unterstützung persönlicher Kommunikation und Interaktion.

Konzeptuell-programmatische Ausrichtung

Der konstruktive Ansatz einer inklusiv-medialen Bildung und Fortbildung, der in dem projektierten Sam- melband expliziert werden soll, besteht darin, diese integrale inter- und/ oder transdisziplinäre Domäne konsequent aus der Sicht insbesondere von Erziehungswissenschaft, Medienforschung, Inklusionsfor- schung, Medienpädagogik, Sonderpädagogik sowie Design und Informatik zu begreifen und zu gestal- ten: Inklusive Bildung wird medial und Medienbildung inklusiv prozessiert (Filk 2018). Wissenschaftstheoretisch wird eine etablierte striktere strukturelle, mithin sich selbststabilisierende Kopplung der genannten Wissenschaftsdisziplinen und -kulturen postuliert. Eine integrale Problemex- position und stärkere disziplinäre Interaktion konstituieren den autarken transdisziplinären Forschungs- komplex inklusiv-mediale Pädagogik respektive inklusiv-mediale Didaktik und substituieren ehemals he- terogene Problemsektoren und schwache Wechselwirkungen der partizipierenden (Teil-)Disziplinen (Mittelstraß 2003).
Der Fokus des avisierten Vorhabens liegt auf dem deutschsprachigen Forschungs- und Entwicklungs- stand. Auch international-komparatistische Perspektivierungen sind sehr erwünscht. Dabei sind vier konzeptuell-programmatische Schwerpunktsetzungen vorgesehen:
1. Sensibilisierung und Qualifizierung für inklusiv-mediale Bildung,
2. Inklusiv-mediale Schul- und Unterrichtsentwicklung,
3. Inklusiv-mediale Lernumgebungen und Schulinfrastrukturen sowie
4. Inklusiv-mediale Schulkultur und Netzwerkbildung.

Hinweise für Autor*innen

Der Call for Participation lädt herzlich dazu ein, inter- und/ oder transdisziplinäre Beiträge zu den vor- stehend genannten Topoi beizusteuern. Bitte schicken Sie Ihren Themenvorschlag (Umfang 4000 bis 6000 Zeichen) bis zum 30.09.2018 an eine der unten angegebenen E-Mail-Adressen.

Extended Abstracts sollten folgende Gesichtspunkte enthalten:

• Thema und Problemstellung,
• Bezug zu übergeordneten Forschungsdiskursen,
• theoretisch-methodologisch-operativer Ansatz,
• Material- bzw. Datenbasis sowie
• Ausblick auf erwartete Resultate.
Die Eingaben werden anhand der Kriterien Originalität des Themas, Relevanz der Forschungsfrage sowie theoretisch-methodische Konfundierung ausgewählt. Bis 31.10.2018 erfolgt ein individuelles Feedback zu den eingereichten Vorschlägen. Die Full Paper zu den angenommenen Abstracts werden per E-Mail bis zum 31.03.2019 erbeten. Die bevorzugt im .doc- oder .docx-Format layoutierten Texte sollten 36.000 Anschläge (inklusive Leerzeichen) nicht überschreiten.
Für weiterführende Auskünfte stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Auf Ihre Eingaben freuen wir uns, auf Ihre Vorschläge sind wir gespannt.
Christian Filk & Heike Schaumburg

Prof. Dr. Christian Filk
Seminar für Medienbildung Europa-Universität Flensburg
Auf dem Campus 1
D-24943 Flensburg
Fon: +49 (0)461 805 2614
E-Mail: christian.filk@uni-flensburg.de Web: www.uni-flensburg.de/medienbildung/

Dr. Heike Schaumburg
Institut für Erziehungswissenschaften Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Fon: +49 (0)30 2093 1926
E-Mail: schaumbh@hu-berlin.de
Web: www.erziehungswissenschaften.hu-berlin.de/
30.07.2018 um 09:25 Uhr

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