CFP: Kleine Medien, Kulturtheoretische Lektüren, 1.12.2017
KLEINE MEDIEN
Kulturtheoretische Lektüren

Herausgegeben von Oliver Ruf und Uta Schaffers

Reihe: Mikrographien / Mikrokosmen. Kultur-, literatur- und medienwissenschaftliche Studien; Band 1

–– Call for Papers

Spätestens seitdem mittels integrierter Schaltkreise nur einige Millimeter große Plättchen aus Halbleiter-Materialien – so genannte Mikrochips – komplexe Prozessoren und Speicherleistungen ermöglichen, ist die Miniatisierung technischer Medien eine bedeutende Voraussetzung des technologischen Fortschritts. Aber nicht allein in dieser Hinsicht ist das Kleine und Kleinste medialer Erscheinungen ein bemerkenswertes Dispositiv gesellschaftlicher Realitäten: Auch kleine Medienformate, wie sie heute beispielsweise im Kontext der ‚sozialen Medien‘ auftreten (Postings, Twitternews usw.), oder kleine Mediengehäuse wie Kassetten, Datasetten, Floppy Disks, CD-Roms oder USB-Sticks, Kompaktkameras oder Mini-Tablets evozieren die Frage nach einer vor allem kulturtheoretischen Reflexion derartiger ‚Kleiner Medien’.

Inwiefern ändern sich kulturtechnische (Körper-)Praxis und soziales Verhalten, wenn die Alltagskommunikation aus dem Drücken von virtuellen Buttons, dem Verschieben von Reglern auf reduzierten Displays oder dem (lange Zeit) maximalen Nutzen von 140 Zeichen für Nachrichtentexte besteht? Wandert das Kleine der Medien in die Körper und die Kultur ein oder verlangen Körper und Kultur nach dieser Kleinheit? Wenn ja: Warum? Und inwiefern? Ist absehbar, dass ‚Große Medien’, je nach Auffassung des Medienbegriffs, keine Zukunft mehr haben? Also dass die Dominanz riesiger Medienhäuser, Großbildschirme oder auch maximale Kino-Leinwände den Zenit überschritten haben und gewissermaßen, auf die Maße (und andere Intensität) der Virtual-Reality-Brillen geschrumpft, auf dem Rückmarsch sind? An deren Stelle könnte, so eine Prognose, weiterhin verstärkt die maschinelle wie ideelle, die greifbare wie diskursive Verkleinerung der Möglichkeiten und Erscheinungsformen von Medien treten, d.h. das Dispositiv des Kleinen gleichsam im Licht der Mediatisierung. Für diese und weitere Beobachtungen und Befunde will der Band Beiträge versammeln, die sich in ganz unterschiedlicher und daher genuin inter- wie transdisziplinärer Weise dem Phänomen der ‚Kleinen Medien‘ annehmen. Erwünscht ist daher auch ausdrücklich eine Vielfalt an methodischen und theoretischen Zugriffen – sehr gerne im Besonderen solche des akademischen Nachwuchses.

Mit dem Band startet die neue Schriftenreihe Mikrographien / Mikrokosmen. Kultur-, literatur- und medienwissenschaftliche Studien im Verlag Königshausen & Neumann Würzburg (nähere Informationen unten). Diese wird ebenfalls herausgegeben von Prof. Dr. Oliver Ruf und Prof. Dr. Uta Schaffers. Geplanter Erscheinungstermin ist Herbst 2018.

Abstracts können eingereicht werden zu den bereits angeführten sowie folgenden oder benachbarten Themen:
• Unsichtbarkeit und Überwachung: Kleine und kleinste Medien und ihre (Kontroll-)Effekte in Literatur und/oder Film (z.B. The Circle, Clemens Setz: Indigo, ...);
• Verdichtungen und ihre Formen (z.B. Design der multifunktionalen Medien am Handgelenk);
• Kleine Medien, große Wirkung: Life-Enhancement durch mobile ‚Feedback-Medien‘;
• Mobile Rezeption: Veränderung der Rezeptionsformen und -gewohnheiten durch die ubiquitäre Verfügbarkeit multimodaler Angebote;
• Schwarmintelligenz? Roboterschwärme / Flashmob-Roboter
• Historische Perspektiven: z.B. Miniaturbücher und Mikrographien oder Miniaturen in der Kunst und ihre kulturtechnischen Implikationen (z.B. The Rose Garden of Omar Khayyam, ed. Eben Francis Thompson; Adam Elsheimer, ...);
• Kleine und kleinste Medien und (neue) Körperpraktiken (Taktiles, gestisch, ...)
• Fragmentierung und Segmentierung oder das ‚kleine Ganze‘?


Der Call richtet sich an die Geistes- und Kulturwissenschaften wie an die Technik- und die Kunst- und Designwissenschaften. Deadline für die Einreichung von Abstracts von bis zu 300 Wörtern ist der 1.12.2017. Diese und Anfragen sind zu richten an: oliver.ruf@hs.furtwangen.de, schaffers@uni-koblenz.de.


Zur Reihe:

Die Konstitution des ‚Kleinen‘ muss als die Konstitution derjenigen Zuschreibungen und Entfaltungen gelesen werden, die eine Konzentration von differenten – exemplarischen und singulären – Faktoren hervorbringen. Die Zusammenschau dieser Einzelheiten stellt das Wesentliche minoritärer Ordnungen dar und die Konstitution des Kleinen ist die Konstitution dieser Größe, die sich etwa in Modellen, Miniaturen und Narrationen bildet. Jene haben den Charakter eines Ausdrucks des Begehrens, Welten herzustellen, die ‚funktionieren’ (Susan Stewart). Denn der Prozess, der das Kleine zu einem solchen Ganzen und Totalen macht, ist die Ermöglichung funktionierender Welten, die „interiors“ aufrufen: ein Innen/eres im Innen/eren.

‚Kleines‘ in dieser Sichtweise zu betrachten, beschreibt eine sowohl mikrographische als auch mikroskopische Perspektive. Deren Grundthese besagt, dass wo immer Miniaturisierungen die Gegenüberstellung von Objekt und Repräsentation, von Alltäglichem und Außerordentlichem ermöglichen, der Gedanke des Mikrographischen und Mikroskopischen eine Frage der Entstehungen derartiger Entsprechungen zwischen scheinbar disparaten Phänomen bedeutet, die zugleich die Gleichheit all dieser Elemente demonstriert.

Dieser Befund ist das zentrale Thema der neuen Schriftenreihe Mikrographien / Mikrokosmen im Verlag Königshausen & Neumann Würzburg, die herausgegeben wird von Prof. Dr. Oliver Ruf und Prof. Dr. Uta Schaffers. In den Veröffentlichungen der Reihe, die kultur-, literatur- und medienwissenschaftliche Studien in einer Disziplinen-Grenzen überschreitenden Perspektive versammeln will, wird mithin jenes ‚Kleine‘ und vermeintlich Unscheinbare buchstäblich wie gleichsam unter die Lupe genommen: die ‚Kleine Literatur‘ ebenso wie ‚Text-Tiere‘, Mikro-Chips als ‚Kultur-Schöpfer‘ ebenso wie die „Ameisengesellschaften“ (Niels Werber). Ein dazu grundlegender Begriff ist derjenige der ‚Dimension‘; da er bedingt und gleichermaßen evoziert, ob und wie etwas Kleines wahrgenommen wird, ist er dessen eigentlicher Bezug. Sowohl Übertreibungen wie Untertreibungen finden nur in dieser Beziehung statt. Relationalisierungen führen zu Skalierungen, die Beschreibungen ermöglichen. In der Natur gibt es keine Miniaturen, sondern sie sind Resultat einer (kulturellen und ‚sinnlichen‘) Manipulation; insofern sind Miniaturen bzw. wiederum auch Mikrokosmen Ausdruck anthropozentrischer Konzeption sowie kultureller und historischer Konzeptionen von Standard und Normierung.

An diesen Überlegungen setzt die Schriftenreihe insgesamt an. Folgende mögliche Felder und Positionen sind zu bearbeiten:

• Kleine Subjekte. Phänomene des Minoritären
• Kleine Welten – kleine Räume
• Kleine (Text)-Tiere
• Kleine Objekte
• Kleine Körper
• Kleine Kulturen
• Kleine Sprache(n)
• Zugänge zum ‚Mikrokosmischen‘: räumlich und sprachlich
• ‚Mikroexpeditionen‘: Das Nahe / die Nähe
• ‚Multum in parvo‘: Details, Fragmente, Stücke, Splitter
• Kleingeschriebenes: kleinste Bücher, kleinste Schriften, das Kleine als das Unlesbare
• Mikrokosmen im Film
• Etc.

Vorschläge sowohl für Sammelbände als auch für Einzelstudien (Dissertationen, Habilitationen) können jeder Zeit formlos und am besten per Email an die Herausgeberin und den Herausgeber gerichtet werden:

Prof. Dr. Oliver Ruf
Hochschule Furtwangen
Fakultät Digitale Medien
Robert-Gerwig-Platz 1
78120 Furtwangen

oliver.ruf@hs-furtwangen.de
http://www.hs-furtwangen.de


Prof. Dr. Uta Schaffers
Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz
Fachbereich 2: Institut für Germanistik
Universitätsstr. 1
56070 Koblenz

schaffers@uni-koblenz.de
http://www.uni-koblenz.de
27.09.2017 um 12:06 Uhr

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