CFP: Ästhetik des Konsums Ambivalenz der Verführung, 28.09.2017
Ästhetik des Konsums
Ambivalenz der Verführung

Symposion im Wintersemester 2017/18
des Forums der Muthesius Kunsthochschule Kiel
am 19.-21. Januar 2018

Kunst versteht sich in der Regel als Gegensatz zum Konsum. Als der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini in den sechziger Jahren seine radikale Kulturkritik vorantrieb, beschrieb er die Ausbreitung der Wohlstandsgesellschaften in den ehemals armen Regionen Süditaliens, den Konsumismus als eine neue Form der Herrschaft und eines politischen und kulturellen Wandels von anthropologischen Ausmaß. Überhaupt sind wir es gewohnt, die Kunst als einen Hort des Widerstandes zu denken, der sich diesem Totalitätszusammenhang einer globalen Wachstumsökonomie widersetzt.
Jahrzehnte nach Pasolinis Statement werden die unheilvollen Auswirkungen dieses wahrhaft weltgeschichtlich neuen Lebensstils in seinen ökologischen Folgekosten unübersehbar. Und doch ist Vorsicht geboten vor zu eilfertiger kulturkritischer Denunziation des Konsums, einer gelegentlich wohlfeilen Kritik, die seit jeher eher von solchen Vertretern der Kulturkritik formuliert wurde, deren auch materieller Lebensstandard, will sagen konkreter Konsum, an Ressourcen weit über dem Durchschnitt ihrer Herkunftsländer und erst recht der Armen dieser Welt stand. Auch Pasolini genoss seinen roten Sportwagen um in den von ihm verklärten rückständigen Mezzogiorno zu fahren.
Jedenfalls wird eine einfache moralische Anklage dem Phänomen des Konsums weder gerecht noch erzeugt sie außer moralischer Selbstvergewisserung gesellschaftliche Optionen. Doch erst recht aus der Position des Designs gerät man schnell in ein Dilemma. Ist nicht unbenommen aller funktionalen Voraussetzungen gerade das ästhetische Surplus seine ureigene Bestimmung und geht es nicht darum, die Artefakte über das Reich purer Notwendigkeit zu erheben? Das Design der Dinge im modernen Sinne ist nun untrennbar mit der rasanten Entwicklung der kapitalistischen Ökonomie verbunden. Doch verbindet man nicht mit jeglichem demokratischen Anspruch eben auch einen allgemeinen Wohlstand die Möglichkeit die Dinge des alltäglichen Lebens frei zu wählen, d.h. zu konsumieren? Die aktuelle ökologische Krise ist eben nicht nur in den leicht absurden Excessen der Superreichen und grober und dümmlicher Verschwendung unserer natürlichen Lebensgrundlagen begründet, sondern nicht weniger in dem erfreulichen Anwachsen des Mittelstandes in Ländern wie Indien und China, der endlich die Kluft in der Verteilung der Reichtümer zwischen den alten Industrienationen und dem Rest der Welt ein wenig schließt.
Hier soll es um eine positive Ästhetik des Konsums als Voraussetzung moderner individualisierter Funktionsgesellschaften gehen und die vielfachen sonstigen Probleme der Konsumkultur können nur angedeutet bleiben. Ziel ist eine Analyse des Designs als der zentralen Instanz, in der aus einem einfachen Verbrauch das eines ästhetischen Konsums wird.
Dies ist auch eine Frage der Selbstreflexion in einer Welt der Kreativen und Künstler, die sich nur allzu gerne jenseits solcher moralischen Ambivalenzen situieren. Stattdessen gilt es zu beleuchten, wie Kunst und Design in ihrer Struktur – in ihrer historischen Genese im Zentrum jener Entwicklungen stehen, die uns einerseits mit Marx gesprochen eine erfreuliche Entfaltung der Produktivkräfte, einen einst unvorstellbaren Reichtum, beschert hat, und uns andererseits an die Grenze einer Vernichtung unserer eigenen natürlichen Lebensgrundlage führte. Und diese alltägliche Ästhetik trägt alle angedeuteten moralischen Ambivalenzen in jedem einzelnen Konsumakt irgendwo auf der globalisierten Welt in sich.
Das Symposion versucht einen Blick auf die Ästhetik des Konsums zu werfen, der von dessen Notwendigkeit ausgehend dessen zivilisatorische Kraft erkennt, ohne dabei seine ökonomischen und ökologischen Ambivalenzen zu verkennen. Gerade weil Konsum auch ein ästhetisches Phänomen ist, lohnt es zu erkunden, ob nicht gerade in der Ästhetik des Konsums auch das Potenzial zu finden ist, die weltzerstörenden individuellen wie gesellschaftlichen Praxen unserer globalen Ökonomie zu ändern ohne dabei sein zivilisatorisches und emanzipatorisches Potenzial aufgeben zu müssen.
Es gilt Konsum neu zu denken!
Die Beiträge aus Kultur-, Sozial-, Medien-, Kunst- und Designwissenschaften können das Thema gleichermaßen mit grundlegenden Reflexionen wie auch exemplarisch an Einzelphänomenen aus Kunst, Design oder den Medien entwickeln.

Bei Interesse senden Sie bitte einen Abstract und eine Kurzbiographie bis spätestens 28.9.2018 an:
forum@muthesius.de zu Händen Maike Schulken

www.muthesius-kunsthochschule.de
Forum Maike Schulken
Für alle organisatorischen Fragen
0431 5198448 – forum@muthesius.de

Für Vortragende werden Reise- und Unterkunftskosten übernommen.

Verantwortlich:
Prof. Dr. Norbert M. Schmitz (Ästhetik)
Muthesius Kunsthochschule Kiel

22.08.2017 um 16:18 Uhr

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