Bauhaus Dessau: Forschungsprojekt rekonstruiert Planungsprozess und Originalzustand der Laubenganghäuser
In den kommenden Tagen entscheidet die UNESCO über die Aufnahme der Dessauer Laubenganghäuser in die Welterbe-Liste. Seit kurzem erforscht ein Team unter Leitung des Kasseler Architektur-Professor Philipp Oswalt Entstehung, Bedeutung und Urzustand der Bauten von Bauhaus-Direktor Hannes Meyer. Das soll auch wichtige Erkenntnisse liefern für den künftigen Umgang mit den sanierungs- und modernisierungsbedürftigen Gebäuden. Die fünf Häuser verwirklichte das Bauhaus unter der Leitung des Schweizer Architekten Hannes Meyer 1929/30 in Dessau-Törten.

Wegen ihrer großen Relevanz für die Geschichte der Moderne und des Bauhauses hat das Kulturstaatsministerium für diese Bauten und die ebenfalls von Meyer entworfen Bundesgewerkschaftsschule in Bernau die Aufnahme ins Weltkulturerbe beantragt; das UNESCO-Welterbe-Komitee entscheidet hierüber auf seiner Sitzung vom 2. bis 12. Juli in Krakau.

Seit Ende 2016 widmet sich ein Forschungsprojekt unter Leitung von Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie und Entwerfen an der Universität Kassel und 2009 bis 2014 Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau, diesen wichtigen Zeugnissen der Architekturgeschichte. Das Projekt soll nicht nur den Entwurfsprozess der Laubenganghäuser offenlegen und neue Erkenntnisse über die Bauhauspädagogik geben, sondern auch soweit wie möglich den Ursprungszustand der Bauten rekonstruieren.

Das Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 300.000 Euro finanziert und durch Eigentümer, die Denkmalpflege und die Stiftung Bauhaus Dessau unterstützend begleitet. Es kam auf Anregung der Wohnungsgenossenschaft Dessau eG als Eigentümerin der Bauten und damaliger Auftraggeberin zustande. Beteiligt sind neben Oswalt Prof. Dr. Andreas Schwarting, Professur für Baugeschichte und Architekturtheorie, Hochschule Konstanz und Prof. Thomas Will, Professur für Denkmalpflege und Entwerfen, Technische Universität Dresden.

Die Laubenganghäuser stehen als "Wohnung für das Existenzminimum" exemplarisch für Meyers Motto "Volksbedarf statt Luxusbedarf", städtebaulich innovativ war die geplante Mischbebauung von Hoch- und Flachbauten; in der Architektursprache gewinnen sie ihre Bedeutung als Abkehr von den klassischen weißen Bauhausbauten von Walter Gropius. Zudem stellen sie einen wichtigen Schritt in der Architekturausbildung dar, da die Bauten als Kollektivarbeit in einer "vertikalen Brigade" gemeinsam mit den Studierenden und weiteren Bauhaus-Lehrern wie Ludwig Hilberseimer und Anton Brenner geplant und realisiert wurden.

Meyer (1889 - 1954) leitete das Bauhaus von 1928 bis 1930 als Nachfolger von Walter Gropius und Vorgänger von Ludwig Mies van der Rohe. Seine Bedeutung als Bauhausdirektor wird nach längerem Verschweigen in jüngerer Zeit nun stärker gewürdigt. Oswalt betont: "Während etwa die Bauten von Gropius in den letzten Jahrzehnten minutiös beforscht wurden, ist das Wissen zu den Laubenganghäusern bislang gering. Dabei sind sie ein einmaliges Zeugnis in der Verknüpfung von Lehre, Forschung und Praxis am Bauhaus."

Erste Erkenntnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass die Laubenganghäuser "ein Schlüsselwerk für das Bauhaus unter dem Direktorat von Meyer" sind, so Oswalt weiter. "Andere bekannte Projekte wie die Volkswohnung und die Bauhaustapete sind mit ihnen verbunden, insofern stellen sie eine Essenz des Bauhausschaffens unter Meyer dar."
28.06.2017 um 10:39 Uhr

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